Reuben Sandwich Originalrezept, New Yorker Deli Style

Für meine Kombüse habe ich mir heute einen US-Klassiker mit jüdisch-europäischen Wurzeln ausgesucht. Haltbare Zutaten, mehrere Väter und unzählige Kinoauftritte. Das Reuben Sandwich mit Pastrami und Sauerkraut hat es verdient, endlich die Bordkarte zu bekommen.

Reuben Sandwich Segel Rezept Kombüse

Schmeckt: Roggenbrot, Sauerkraut, Pastrami – als warmes Reuben-Sandwich

Was ist Pastrami?

Pastrami klingt italienisch, ist es aber nicht. In den USA hat Pastrami eine lange Tradition.  Ursprünglich stammt die geräucherte, gepökelte und gegarte Rindfleisch-Spezialität aus Rumänien. Jüdische Einwanderer brachten die konservierende Zubereitungsart mit in die neue Welt. „Pastra“ bedeutet soviel wie „haltbar machen“. Für Pastrami werden gute Fleisch-Cuts wie Schulter, Brust oder Tafelspitz verwendet.

Pastrami Rinderschinken für Reuben Original Sandwich

Hauchfein aufgeschnittene Pastrami mit Gewürzen. Trotzdem besser gekühlt lagern

Das Fleisch mit dem rauchigen Aroma wird durch die Zubereitung besonders zart. Pastrami eignet sich hervorragend als „Boatfood“, weil sie länger haltbar ist. Pastrami ist mager (gerade mal 115 Kalorien pro 100 Gramm) und wird so dünn wie möglich aufgeschnitten.

Bekannt wurde Pastrami durch die legendären „Jewish Delis“. Kaum ein Kino-Film aus New York kommt ohne Pastrami-Sandwich aus. Die berühmteste Szene stammt aus „When Harry met Sally“. Sie wurde bei Katz’s Delicatessen in der Houston Street gedreht.

Rezept Sandwich gestapelt Original Rezept für zu Hause

Stapelbar, das Reuben Sandwich im Querschnitt

Das Reuben Sandwich (gesprochen Ruben) hat mindestens zwei Väter

Als erster offizieller „Vater“ wird Arnold Reuben, deutsch-jüdischer Immigrant und Inhaber von „Reuben’s Restaurant and Delicatessen“ in NYC, genannt. Er soll es 1914 genau in dieser Version für eine ausgehungerte Schauspielerin kreiert haben.

Als zweiter Erfinder gilt Reuben Kulakofsky. Der Großmarktbesitzer aus Omaha soll damit seine Pokerrunden verköstigt haben. Wahrscheinlich stimmen beide Geschichten. Gute Kühlsysteme gab es damals noch nicht, haltbar gemachte Zutaten waren üblich.

Durch die deutsch-jüdischen Einwanderer kam die zweite wichtige Zutat, das Sauerkraut mit ins Spiel. Auch in meiner Kombüse segelt eine kleine Dose Sauerkraut immer mit. Jetzt endlich findet sie einen guten Verwendungszweck.

Das Reuben kann alternativ mit Corned Beef belegt werden. Dann aber bitte mit selbstgemachtem Beef vom ganzen Stück. Die seltsame Dosenware verwende ich höchstens und notfalls für Labskaus.

Wie auch immer, das Reuben-Sandwich ist die New Yorker Spezialität und schmeckt himmlisch. Die nicht ganz koschere Kombination aus Roggenbrot, Rindfleisch, herzhaftem Käse, Sauerkraut und Dressing machen es so unwiderstehlich. Auf eine Variante in Maulsperren-Dimensionen habe ich verzichtet. Ich denke da an meinen BMI und den Boden im Cockpit.

Reuben Sandwich mit Kraut Pastrami 1000 Island Dressing

Ohne Maulsperre. Ich bevorzuge eine schlanke, handliche Variante

Unnützes Wissen: Woche für Woche serviert Katz’s immer noch fast 7.000 kg hausgemachte Pastrami und rund 3.600 kg Corned Beef. Böse Zungen behaupten, am Leibesumfang sei ersichtlich, wie lange die Menschen schon bei Katz’s arbeiten oder dort einkehren.

Wer mehr über die Geschichte der jüdischen Einwanderer und die Deli’s in New York erfahren will, für den habe ich am Ende ein paar gute Links aufgelistet.

Das waren die Zutaten für zwei Reuben-Sandwiches:

  • 4 Scheiben gutes Roggenbrot, in Scheiben geschnitten
  • 2 EL Butter, am besten gesalzen
  • 100g Pastrami, hauchdünn geschnitten (alt. Corned Beef oder Geflügel)
  • 1 kleine Dose Sauerkraut, gut abgetropft und ausgedrückt
  • 2-4 Scheiben Käse (Emmentaler, Appenzeller, oder frz. Comté)

1000 Island Dressing, selbstgemacht aus:

  • 3 Teile Mayonnaise
  • 1 Teil Ketchup
  • 1 Teil Gurken-Relish (oder gehackte Gewürzgurken)
  • 1 Schalotte, fein gewürfelt
  • 1 Stück Staudensellerie, fein gewürfelt (optional)
  • Worchester Sauce
  • Tabasco oder Cayenne Pfeffer
  • Pfeffer, Salz, (Zucker optional)

Für das 1000 Island Dressing einfach alle Zutaten verrühren und solange abschmecken bis es richtig gut schmeckt. Der eine mag es süßer, der andere schärfer. Falls ihr kein Gurken-Relish habt, hackt einfach ein paar Gewürzgürkchen und würzt mit Zucker nach.

Auch Meerrettich, Zitronensaft, gekochte Eier, Paprika oder Petersilie passen ins 1000 Island Dressing. Ich habe mich für Staudensellerie entschieden, weil er knackig bleibt. Ganz notfalls darf es auch ein Fertigprodukt sein.

Kochen an Bord: Reuben Sandwich belegt

Sauerkraut, geschmolzener Käse, rauchige Pastrami, zum Anbeißen

Die Zubereitung des Reuben Sandwich ist einfach, hier geht es weiter:

Das Brot von beiden Seiten buttern und in einer Pfanne beidseitig goldbraun anrösten. Brot herausnehmen. Sauerkraut gut ausdrücken (sonst matscht später zu sehr durch) und in der Pfanne bei niedriger Hitze erwärmen. Dabei gut zerpflücken. Ab und zu wenden.

Roggenbrot für Reuben Sandwich

Gutes Roggenbrot als Basis

Die Pastrami kurz von beiden Seiten erwärmen. Nach dem Wenden auf Sandwichgröße zusammenschieben und mit einer Scheibe Käse bedecken. Mit einem Topfdeckel oder einer Metallschüssel eine Glocke bauen und den Käse für etwa zwei Minuten darunter schmelzen lassen.

In der Zwischenzeit das Brot mit dem 1000 Island Dressing bestreichen. Das Pastrami-Käse-Paket auf die erste Brotscheibe legen. Sauerkraut auf den geschmolzenen Käse schichten. Mit der zweiten Brotscheibe bedecken, mit Zahnstochern fixieren, halbieren und sofort warm servieren.

Werkzeuge: große Pfanne, Messer, Pfannenwender, Zahnstocher, gewölbter kleiner Topfdeckel oder Metallschüssel

Tipp: Alles außer Schwein! Es gibt unzählige Variationen. Neben Pastrami und Corned Beef wird das Sandwich oft mit geräuchertem Truthahn und amerikanischem Cole-Slow als „Rachel“ Variante serviert. Auch geräucherte Hühnerbrust ist lecker. Bei dem Käse aromatische Sorten verwenden. Ich hatte noch Comté Käse vorrätig. Der ist aus Region Franche-Comté, das liegt praktisch nebenan und ist somit vom mir genehmigt 😉

Reuben Sandwich klassisch Rezept mit Roggenbrot

Nicht ohne Grund weltberühmt. Das Reuben muss endlich an Bord.

Links zu New Yorker Deli’s:

„Pastrami on Rye“, englische Buchbesprechung mit Hintergrundwissen aus dem Economist.

www.economist.com/news/books-and-arts

Die fünf besten New Yorker Deli’s:

firstwefeast.com/eat/best-delis-in-nyc

Gutes Interview über jüdisches Essen in NYC (in Deutsch)

nicht-erschienen.de/Juedisches_Essen

Und hier geht es zu den berühmtesten Sandwiches der Welt:

gourmetglobe.de/kochen/top-listen-kochen/44-die-beruehmtesten-sandwiches-der-welt

10 Kommentare

    1. Danke, das freut mich sehr. Ich bleibe neugierig. Die Entstehungsgeschichten der tradtionellen Rezepte finde ich ungemein spannend. Wenn Rezepte so lange überleben, müssen sie gut sein. Auch die sardischen. 😉 Liebe Grüße Cornelia

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  1. JA, das liest sich spannend . Ich selbst bin Amerika – affin und habe bei Reisen durch die USA etliche Gerichte mit Migrations Einflüssen genossen. Da passt Dein sehr interessanter Blog Beitrag ins Bild. Kannte ich noch nicht, aber ich bin mir sicher, daß Du den Captain mit dem super Sandwich auch satt bekommst. Die Links dazu sind auch spannend. Die amerikanische Küche ist bei weitem nicht so ideenlos wie oft behauptet. yummie. LG, Johannes F.G.

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    1. Lieber Johannes, das stimmt. Die amerikanische Küche ist und war immer ein Mix aus den verschiedenen Einwanderungswellen. Chinesisch, Irisch, mexikanisch, cubanisch, italiensich und jiddisch. Genau wie das mogolische Beef aus dem letzten Rezept. Dieses hier ist eindeutig jiddisch. Dieser Kultur haben wir uns in Deutschland leider beraubt. Schande.

      Zum Glück gibt es in Berlin, München und Hamburg gibt es mittlerweile wieder jüdische Restaurants. Die sind aber richtig koscher. Das „Reuben“ ist es nicht. Durch den Käse ist es nicht kashrut. https://en.wikipedia.org/wiki/Kashrut

      Liebe Grüße Cornelia

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    1. Liebe Martina, das freut mich. Wetterbesserung ist in Sicht. Ostwind und Sonne im Anmarsch. Perfekt für Samsö. Aber wie heisst es doch so schön: „Cross the bridge when you come to it.“ Es bleibt spannend. LG aus HH Cornelia

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      1. Ja, das stimmt!

        Ich drücke Euch die Daumen, dass alles so klappt wie Ihr es Euch vorstellt. Wir versuchen morgen, nach Dragør zu segeln und dann das günstige Windfenster zu nutzen, um in südliche Gefilde zu kommen.

        Sind jetzt schon 10 Tage in CPH, ständig Westwind… Zum Glück haben wir keinen Zeitdruck und Family hier.

        Liebe Grüße!
        Martina

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  2. Dein Reuben sieht sehr gut aus! Ich frage mich, ob die Leute vom Katz oder anderen guten Delicatessens ihr Sauerkraut selbst (vielleicht nach europäischem Rezept) ansetzen.
    Ich weiß nicht, ob du schon mal die Gelegenheit hattest amerikanisches zu kosten…It’s terrible, if not to say godawful 🙂 Ich würde wetten, mit einem solchen Sauerkraut würdest du das Sandwich voll versauen. Diese Wahrheit gilt im übrigen auch für die amerikanischen Pickles, die so gelbstichig-transluzent daherkommen – eine Katastrophe!
    LG Alex

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    1. Hi Alex, wenn ich es mir recht überlege habe ich in den USA noch nie Sauerkraut bestellt. Ich war zwar in Yorkville ( German town) da hat uns unsere Gastgeberin ( jüdisch-nicaraguanisch) hingeschleppt, weil sie dachte, sie tut uns einen Gefallen. 😉
      Es ist eine interessante Frage, weil ich bisher davon ausgegangen bin, dass man bei Sauerkraut nicht viel falsch machen kann.

      Wenn oder besser gesagt, falls ich nochmal nach NYC komme bestelle ich auf jeden Fall ein Reuben.

      Ansonsten lieber chinesisch, koreanisch oder Steaks. Leider ist das zur Zeit alles unbezahlbar. Liebe Grüße Cornelia

      Gefällt 1 Person

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