Die Markthallen von Riga und die regionale Küche Lettlands genießen

Heute geht der Kurs hoch in den Nordosten, über die Ostsee, bis nach Riga in Lettland. Dieses Ziel liegt etwa 600 Seemeilen (nur Luftlinie) von unserem Heimathafen entfernt. Für unser Zeitbudget und unser kleines Segelboot also fast unerreichbar. Beschleunigen lässt sich die Anreise durch andere Verkehrsmittel, im kalten und dunklen Winter ist das ohnehin anzuraten.

Riga, Baltikum im November

Kalt und Grau. Riga im November

Ein Rezept gibt es heute nicht. Dafür einen Einblick in die Lebensmittel des Baltikums, einen Tipp wo sie verkauft werden und wie ein kreativer Umgang mit diesen Zutaten aussehen kann. Leinen los, der Zentralmarkt von Riga wartet.

140 m lang, die Fleischhalle von Riga

Eine Reise wert. Der gigantische Zentralmarkt von Riga

Zentralmarkt in Riga Fischpavillion kaviar

Besonders für Fisch und Kaviar Liebhaber: die Waren in der Fischhalle

Über die Ostsee ins Baltikum bis nach Riga: Segel- und Fährhafen

Riga und das Baltikum ist mehr als eine Reise wert. Die Stadt liegt nicht direkt an der Rigaer Bucht, sondern am Fluss Düna (lettisch: Daugava). Von der Flussmündung sind es nur noch wenige Seemeilen bis zum zentralen Fährhafen. Hier machen die großen Fähren und Kreuzfahrtschiffe fest. Es gibt auch einen Sportboothafen für Segler. Von der Marina bis zur Altstadt sind es nur 20 Minuten zu Fuß. Ich bin der Meinung, alte Hafen-Städte sollten vom Wasser aus erobert werden.

Hier ist der Link zu der zentral gelegenen Stadt Marina Andrejosta, ganz in der Nähe des Fährhafens. Es gibt mittlerweile etliche Sportboot-Marinas in Lettland.

Riga-Wissen für Historiker und Seefahrer

Durch die Mitgliedschaft in der mittelalterlichen Hanse wurde Riga zu einer mächtigen und wohlhabenden Hafen- und Handelsstadt. Die Hanse war, ganz grob vereinfacht, eine Art mittelalterliche Nord-EU. Durch den Freihandel gelangten die Hansestädte zu großem Wohlstand. Die Kogge, ein mittelalterlicher Frachtsegler, wurde zum Symbol der Hanse.

Riga ist reich an Superlativen. Die historische Altstadt, das Schloss und der Rigaer Dom sind einzigartig. Auch die traditionellen Holzhäuser sind weltberühmt, außerdem ist Riga Jugendstilhauptstadt Europas. Das historische Zentrum wurde 1997 als „Meisterwerk des menschlichen Schaffens“ zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt. 2014 war Riga Europäische Kulturhauptstadt.

Der Dom von Riga, Innen

Romanik, Frühgotik, Barock und Luther ist auch dabei: Der Rigaer Dom

Unnützes Wissen zur Weihnachtszeit: Den Letten zufolge stand der erste Weihnachtsbaum in Riga. Auf dem Rathausplatz soll im Jahr 1510 erstmals eine Tanne mit Blumen und Spielzeug geschmückt worden sein. Allerdings streiten sie sich darüber mit den Esten aus Tallin.

Am interessantesten fand ich diesen Superlativ:

Die Zeppelinhallen des Zentral-Marktes: Oder der Bauch von Riga

Da es in meinem Blog um Essen und Genießen auf und am Wasser geht, war mein Hauptziel der Zentralmarkt von Riga. (lett.: Rīgas Centrāltirgus).

Dieser Markt galt schon in den 1930er Jahren als der größte und modernste Markt Europas. Auch heute, nach langer und leidvoller Geschichte, ist er mehr als eine Reise wert. Markthallen ziehen mich schon immer magisch an.

Historische Ausstellung vom Markt in Riga

So voll war es in den 30er Jahren auf dem Marktplatz (Ausstellung)

Da der Markt eine besondere Geschichte hat, gibt es schnell ein kleinen Rückblick. Schon die Konstruktion ist einmalig: Die Hallen wurden in den zwanziger Jahren aus den Dächern zweier alter Zeppelin-Hangars aus dem 1.Weltkrieg errichtet. Die Höhe der Dachkonstruktion ist beeindruckend, gerade wenn man bedenkt, dass die Hallen im Süden des Landes, nahe der litauischen Grenze standen.

Dach Zeppenlinhalle in Riga Markt

Ich war ein Zeppelin-Hangar. Beeindruckende Dachkonstruktion

Die Markthallen sind unterkellert, hier werden die Lebensmittel gekühlt, gelagert und erst bei Bedarf nach oben transportiert. 1930 feierte Riga die glanzvolle Eröffnung der Markthallen. Schon in der Blütezeit der Republik Lettland zog der Lebensmittelmarkt Touristen aus aller Welt an. Diese friedliche Epoche hielt leider nur kurz an.

Kraut und Kürbisse im Zentralmarkt von Riga

Da lacht der Proviantmeister: Haltbar gemachtes Gemüse und Kraut

1940 wurde Riga durch die Sowjetunion und die ungeliebten Russen besetzt. Ab 1941, während des 2. Weltkrieges, musste Riga dreieinhalb Jahre deutsche Besatzung erleiden. Die Hallen wurden durch die Nazis zu Kriegszwecken umfunktioniert, die Gebäude dienten fortan als kriegswichtige Reparaturstätten. Lebensmittel waren knapp, es gab sie nur auf Karte.

Was zu Rigas Geschichte leider auch gehört: Grauenhafte Verbrechen, vor allem an der jüdischen Bevölkerung, fanden zu dieser Zeit durch die Deutschen statt. Auch die Letten haben sich damals nicht mit Ruhm bekleckert. Für Interessierte gibt es bei Wikipedia mehr.

Graues Riga, Baltikum

Manche Gebäude mit ihrem „Ostcharme“ wirken, als ob die Zeit stehengeblieben sei

1944 wurde Riga durch die Sowjetarmee von den Nazis befreit, viele sagen auch, erneut besetzt. Infolgedessen wurden wiederum unzählige Menschen deportiert, umgebracht oder waren auf der Flucht.

In der Zeit der Lettischen SSR (Sozialistische Sowjetrepublik) wurde der Markt umbenannt (Centrālais Kolhozu tirgus). Die staatlichen Kolchosen lieferten die Produkte nach Plan. Oder auch nicht.

Zentralmarkt in Riga Fleischhalle

Hier war nur Ruhetag, leere Auslagen gehören der Vergangenheit an

Seit der Wiedererlangung der Unabhängigkeit, Anfang der 90er Jahre, bietet der Markt sämtliche Produkte wieder im freien Handel an. Man ist stolz auf seine Tradition und setzt beim Warenangebot auf Produkte aus einheimischer Produktion.

Schweinehälften Riga im Zentral Markt

Nichts für zartbesaitete Gemüter. Schweinehälften gestapelt

Trotz Wirtschaftswachstum ist in Riga nicht alles gut. Die Stadt verliert an Einwohnern, Lettland insgesamt hat eine zu niedrige Geburtenrate. Viele Menschen ziehen in den Westen. Ältere, vom harten Leben gezeichnete Menschen bestimmen das Straßenbild, außerhalb des hübsch renovierten Altstadtkerns sieht es ärmlich aus. Mich erinnert das an Ost-Berlin kurz nach der Wende, Tristesse wie aus dem Museum. Vor allem im November. Dies war mein ganz subjektiver erster Eindruck in knapp 24 Stunden. Riga ist definitiv eine Reise wert.

Normalerweise hat Politik in meinem Blog nichts zu suchen, diesmal konnte ich das nicht weglassen. Die Geschichte, die lange Zeit hinter dem eisernen Vorhang, der Bevölkerungsmix, sowie Lage und Klima bestimmen das Warenangebot und die Küche. Das Baltikum war für mich ein weißer Fleck auf der Speisekarte.

Riga Central Markt Aussenbereich in Winter

Im November werden frische Produkte seltener (Aussenbereich des Marktes)

Vogelbeeren, Moltebeeren, Cranberry Riga Markt

Dafür gibt es Beeren, Beeren und Beerensäfte

Der Bauch von Riga ist quicklebendig

Es gibt insgesamt fünf Hallen, die ich der Reihe nach vorstellen möchte.

Die größte Halle beherbergt auf einer Flache von 5000 m² und 140 m Länge, Fleisch und Wurstwaren. Die Auslagen sind übervoll. Schwein, Geflügel, Wurst und Räucherwaren sind am begehrtesten. Danach kommen Rind und Kalb, zunehmend auch Lamm. In Riga kommen alle Teile, also echtes „Nose to tail“ auf den Markt. Innereien, Köpfe, Keulen, Knochen. Diese Halle ist nichts für Veganer.

Die vier kleineren Hallen mit jeweils 70 m Länge unterteilen sich in:

  • Fisch
  • Gemüse
  • Milch
  • Gastronomie (wird gerade renoviert)

Unser Rundgang führte uns von der Fleischhalle über den kalten Außenbereich. Zur Zeit werden hauptsächlich Beeren (Sanddorn, Moosbeeren, Vogelbeeren),Wurzeln, frische Kräuter und Heilkräuter, Säfte, Öle und Obst aus der Region angeboten. Das Angebot ist nicht nur regional, sondern auch saisonal. Im November gibt es frische Äpfel, Quitten und Kürbisse in allen Größen und Farben.

In der Fischhalle stapeln sich Berge von Kaviar, Räucherfisch, Hering, Lachs, Plattfische, aber auch viel Lebendfisch: Störe, Karpfen und die geschützten Lebend-Fossilien, die Neunaugen. Die Einfuhr nach Deutschland ist streng verboten.

Räucherfisch in Fischhalle Riga Markt

Schöner Textbaustein; Das Auge kann sich nicht sattsehen😉

In der Käse- und Milchhalle zieren Käsespezialitäten wie lettischer Mozzarella, sowie Hanfbutter, Joghurt, Kefir, Quark die Auslagen.

Lettischer Mozzarella in Riga Zentralmarkt

Lettischer Mozzarella in vielen Varianten

In der Gemüsehalle habe ich über Berge von Sauerkraut und fermentiertem Gemüse gestaunt. Nahezu alles wird konserviert, eingelegt und haltbar gemacht. Kohl, Quitten, Zwiebeln, Bete, Gewürzgurken, Knoblauch. Sehr spannend, denn diese uralten Methoden der Vorratshaltung sind traditionell auch in der Seefahrt wichtig. Skorbut war nicht nur auf Schiffen bekannt, sondern auch hier, in den langen dunklen Wintern.

Sauerkraut und anderes Gemüse Markthalle Riga

Hier ist genug Vitamin C drin. Sauerkraut und andere fermentierte Gemüse

Dazu gibt es das berühmte lettische Roggenbrot. Mit seiner dunklen Kruste schmeckt es einfach unwiderstehlich.

Die Preise scheinen niedrig, sind für einen Letten hoch. Das Durchschnittseinkommen liegt aktuell bei etwas mehr als 700 € (Zum Vergleich: Deutschland ca. 3100€). Was ein Rentner im Portemonnaie hat, möchte man sich lieber nicht ausrechnen.

Fischhalle Markt in Riga Eingang

Alles frisch. Die Fischhalle hat mir am besten gefallen

Die Markthallen haben ganzjährig, sieben Tage die Woche, geöffnet. Nur am Johannistag, am 24. Juni sind sie geschlossen. Ab 2104 ist der Euro Zahlungsmittel.

Wer einmal reinschnuppern möchte, hier ist ein toller Film von Arte auf Youtube.

Was zaubert man aus Baltischen Spezialitäten? Überraschendes, hier geht es weiter: (mehr …)

Cranberry – a.k.a. Moosbeer-Sirup, DIY einfach selbstgemacht

Zur Adventszeit habe ich ein Rezept für tiefroten Cranberry-Sirup im Gepäck. Der herbe Trunk eignet sich für alle, denen es vor billigem Glühwein graut. Da die Winter nicht mehr das sind, was sie mal waren, warum nicht gleich ein eisgekühler Cocktail, gemixt mit Cranberry Saft?

Cranberry Sirup selbstgemacht Kochen an Bord

Statt Glühwein: Cranberry Sirup selbstgemacht für Gin and Cranberry. Skål

Der feinherbe Geschmack der Cranberries passt hervorragend zu Gin oder Vodka. Aufgefüllt wird  mit Limettensaft als Gin Fizz, mit Tonic Water oder pur mit Soda zum detoxen.😉

Cranberry Gin and Tonic Rezept

Auch als Saft soll er gesund sein. DIY Cranberry Juice

Cranberry, Moosbeere oder große Moosbeere – Was sind die Unterschiede?

Ich habe ein regionales Produkt eingekauft, das ich mir genauer angesehen habe. Meine Beeren vom REWE stammen laut Etikett aus der Lüneburger Heide. Als Absender ist die Moosbeerhütte angeben.

Cranberries gekocht für Sirup

Jetzt endet die Ernte: Cranberries aus der Lüneburger Heide

Die Erzeuger bezeichnen ihre Produkte als „großfrüchtige Moosbeere“ (Vaccinium Macrocarpon). Manchmal werden die roten Beeren auch Kranbeere genannt. Unnützes Wissen: Der Name wird von der Blüte der Cranberry abgeleitet. Denn sie ähnelt der Kopfform eines Kranichs. (eng.= Crane). Moosbeeren klingen für die Vermarktung weniger hip, als die beliebten „Cranberries“ aus den USA, die an Thanksgiving nicht fehlen dürfen.

Die echte „gewöhnliche“ Moosbeere (Vaccinium Oxycoccus) ist hierzulande sehr selten. Sie ist weniger robust als die harte Cranberry. Echte Moosbeeren finden sich eher im Baltikum oder in Skandinavien. Es gibt dort im Norden noch viele Unterarten.

All diese Beeren, also auch Heidelbeeren und Preiselbeeren, gehören zu den Heidekrautgewächsen und gelten als sehr gesund. Roh können Cranberries und Moosbeeren nicht verzehrt werden, denn sie schmecken extrem herb und sauer.

Cranberry oder Moosbeeren Sirup Rezept selbstgemacht

Moderat gezuckert. Weihnachten wird süß genug

Wann werden Cranberries geerntet?

Die Erntezeit in der Lüneburger Heide beginnt Ende September und dauert, ähnlich wie in den USA, etwa sechs bis acht Wochen. Geerntet wird hier erst, wenn die Früchte tiefrot und ausgereift sind. Zum Vergleich habe ich auch Beeren aus den USA begutachtet. Ich fand diese viel härter, teilweise sind sie noch heller.

Mit den deutschen Beeren habe ich also ein saisonales, regionales Produkt erworben, das keine langen Transportwege hinter sich hat. So sollte es sein.

Cranbeery oder Moosbeere Unterschiede

Cranberries (großfrüchtige Moosbeeren) riechen nach Torf und Wald

Schon beim Öffnen der Packung verströmen die Beeren einen erdigen Geruch, der an Herbstspaziergänge im Moor erinnert. Dieser Duft intensiviert sich beim Einkochen. Das macht mir spontan Lust auf Wildgerichte. Heute geht es zunächst nur um den Saft.

An Zutaten für eine kleine Flasche braucht ihr:

  • 1 Paket frische Cranberries (200 g-250 g)
  • 4 EL Zucker (alternativ Honig)
  • 300 ml Wasser oder mehr
  • Saft einer halben Limette (optional)

Und so einfach ist die Zubereitung des Safts:

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Marokkanisches Rindfleisch mit Dörrobst und Harissa, ganz ohne „Tajine“

Heute geht die kulinarische Reise beinahe nach Marokko, genauer gesagt an die Straße von Gibraltar. Im windigen „Kiter Mekka“ Tarifa habe ich das orientalische Rezept kennengelernt. Marokko ist hier zum Greifen nah, Tajine steht häufig auf den Speisekarten. Mehr über dieses empfehlenswerte Reiseziel gibt es am Ende des Beitrages.

Kochen an Bord: Beef Tajine mit Harissa

Ein Schmorgericht aus Rind, mit Dörrobst, Harissa und Reis

Was ist Tajine? Rezept und Tontopf aus Marokko

Tajine ist ein traditioneller Tontopf mit konischem Deckel. Das gleichnamige Gericht wird darin, ähnlich wie in einem Römertopf, schonend gegart. An Bord oder zu Hause gelingt es auch ohne den Schmortopf. Es muss nur besser darauf aufgepasst werden.

Blick auf Marokko: Tajine Beef Stew Rezept

Marokko vor den Augen und auf dem Teller, die Einflüsse sind spürbar

Marokkanisches Rinder Tajine – traditionelles Rezept mit Aprikosen und Datteln

Sich an das Rezept ohne den „Tajine“ Tontopf heranzuwagen, war eine Idee von Tommy und seinem Blog „The Masked Chef“. Er verwendet kein Dörrobst. Ich habe mich für die süßere Variante mit Aprikosen und Datteln entschieden. Bis auf das Rindfleisch und die frischen Tomaten sind alle Zutaten lange haltbar und somit bestens für die Bordküche geeignet. Das Rezept kann auch mit Lamm oder Huhn zubereitet werden. Dann verkürzt sich sogar die Garzeit.

Und das waren die Zutaten für zwei hungrige Segler:

  • 500-700 g Rindfleisch (zum Beispiel Schulter oder Bug)
  • 2 TL Cumin (Kreuzkümmel)
  • 1 knapper TL Fenchelsamen
  • 1 knapper TL Koriandersamen
  • 2-3 Nelken
  • einige Pfeffer- und Pimentkörner
  • ½ Stück Sternanis
  • 1 Stück Zimtstange
  • 1-2 Stück getrocknete Chili (Menge nach Geschmack)
  • 5 große Knoblauchzehen
  • 3-4 Zwiebeln
  • 2 Möhren oder ähnliche Menge Kürbis
  • 4-5 frische Tomaten (optional)
  • eine kleine Dose Schältomaten
  • 400 ml – 500 ml Rinderfond oder Kalbsfond, aufgelöst
  • eine Handvoll Dörrobst: wie Aprikosen, Datteln oder Rosinen
  • Olivenöl zum Anbraten
  • Koriandergrün (optional)
  • Reis
  • Harissa Paste (Rezept am Ende)

Hier geht es zur Zubereitung:

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