Kombüse

Stockholm, Helsinki, Tallinn – und ein finnischer Gruß aus der Kombüse

Zwei Skandinavische Metropolen, zwei Baltische Städte, in nur dreieinhalb Tagen über die Ostsee kulinarisch bereisen – geht das? Ja, das geht. Nicht mit unserer Segelyacht, nicht mit der „A“, sondern mit einem echten Dickschiff.

Hering und Meer Tranan Restaurant Stockholm

Mein Thema für die nächsten Tage: Fisch und Seafood skandinavisch

Blekholmen Yachthafen Helsinki im November

Verlassen im Winter: Der Yachthafen Blekholmen direkt in Helsinki

Ich und eine Kreuzfahrt? Niemals!

Habe ich immer gedacht. Zur Überbrückung der Wintersaison konnte ich im Herbst eine ungewöhnliche Seefahrt unternehmen, die mir in jeder Hinsicht geschmeckt hat.

Auch meine geliebte Ostsee musste ich dadurch nicht allzu lange vermissen. Ein Rezept gibt es heute auch. Es stammt vom finnischen Starkoch Matti Jämsen. Zubereitet wurde es in einer richtigen Kombüse, in einer der vielen Küchen der „Silja Serenade“, einem Fähr-Kreuzfahrtschiff der Tallink Silja Line.

Kochen mit Matti Jämsen Silja Serenade

„If you can’t stand the heat, get out of the kitchen.“ Da ist viel wahres dran.

Aber von Anfang an. So eine Mini-Fähr-Kreuzfahrt beginnt in Stockholm. Die Anreise mit SAS ist kein Problem und sehr günstig. Schon der Anflug auf Stockholm ist spektakulär. Mir war gar nicht bewusst, wie imposant das Schärengebiet tatsächlich ist.

Eine Schäre, schwedisch „skär“ ist eine runde, felsige Insel. Diese entstanden, als während der letzten Eiszeit die Eismassen schmolzen. Schäreninseln können nur wenige Meter oder auch ein paar Quadratkilometer groß sein. Es gibt Tausende. Ein sehr anspruchsvolles Segel-Revier, soweit ich es von oben sehen konnte.

Meine erste Berührung mit schwedischen Spezialitäten war ein „Kanelknuter“. Übersetzt heißt das Zimtknoten, das schwedische Pendant zu unseren hanseatischen Franzbrötchen. Nur nicht ganz so klebrig.

Der Appetitanreger: Schwedenhappen und ein dicker Heilbutt

Da das Fährschiff immer erst am späten Nachmittag ablegt, war noch Zeit echte schwedische Küche kennenzulernen. Wo könnte man das besser als in einem traditionellen Restaurant? Das empfehlenswerte „Tranan“ gibt es seit 1929. Die Speisekarte war ganz nach meinem Geschmack. Viele lokale Produkte und die Erkenntnis, dass bei IKEA tatsächlich schwedische Küche angeboten wird. Spannend wird sie, wenn sie frisch und mit guten Zutaten gekocht wird. Claudio, der Küchenchef des Tranan serviert sogar echte Köttbullar.

Die See kocht im Cafe Tranan Stockholm

Wunderschönes altes Restaurant: Café Tranan in Stockholm

Unnützes Wissen: Köttbullar heißt übersetzt Fleischbällchen, ausgesprochen werden sie ungefähr „Schöttbullah“. Die Hackbällchen stehen im Tranan nicht auf der Karte. Trotzdem werden jede Woche 60 kg Hackfleisch zu den Klopsen verarbeitet. Insider und Locals bestellen sie einfach.

Ich habe mich für die traditionelle schwedische Vorspeise „Toast Skagen“, Heilbutt mit Steinpilzen und Crème brûlée entschieden. Der Toast war das „Amuse Gueule“ und die Einstimmung auf die nächsten drei Tage. Auf dem Teller fanden sich Garnelen (Rakör), Hering (Sill) und Kaviar.

Der Heilbutt war – nebenbei bemerkt – der beste, den ich seit langem gegessen habe. Kein dünnes Scheibchen, sondern ein dickes Filet aus der Mitte, perfekt auf den Punkt gegart. Sofort gegoogelt: Heilbutt wird bis zu 400 kg schwer – von so einem Burschen stammte wohl das Steak.

Einziger Wermutstropfen: Wer gerne Wein trinkt, stößt in Skandinavien schnell an seine Grenzen. Eine ordentliche Flasche kostet im Restaurant schnell um die 100 €. Deshalb habe ich mich für ein Craft-Beer entschieden.

Fabelhaft: Heilbutt mit Steinpilzen Tranan Stockholm

Der beste Heilbutt seit langem: mit Steinpilzen und Püree

Bevor wir die Silja Serenade entern konnten, gab es bei sonnigem Wetter einen Verdauungswalk rund um den Königspalast und das Stadtviertel „Gammla Stan“ (Alte Stadt). Dank Stieg Larsson und seiner Millenium Trilogie hatte ich mir das düsterer vorgestellt. Bei strahlendem Sonnenschein waren alle Stockholmer vor der Tür, die Geschäfte haben in Stockholm auch Sonntags geöffnet.

Trotzdem ungewohnt: Im November geht die Sonne schon kurz nach drei unter. Die Sonne steht tief, was aber ein sehr reizvolles Licht zaubert.

Skandinavisch unkompliziert geht es mit der U-Bahn zum Fährterminal. Viele Stockholmer fahren mal eben nach Helsinki und umgekehrt. Das Publikum ist bunt gemischt. Familien mit Kindern, Gruppen, Ehepaare. Auf Instagram unter dem Hashtag #siljaline kann man sich vom Treiben an Bord überzeugen.

Blick auf die Promenade

Interessant: Bullauge auf die Promenade mit Blick nach innen

Eine Fährverbindung mit Kreuzfahrt-Gefühl

Die Silja Serenade, die zwischen Stockholm und Helsinki pendelt, ist ein sogenanntes „Promenade“ Schiff. Das heißt, die Kabinen sind um eine Promenade herum gebaut. Diese bieten Blick auf die Shopping Mall.

Die Leute mögen es und buchen gerne den Blick nach innen. Bei 16 Stunden Dunkelheit im Winter ist das verständlich, denn hier gibt es mehr zu sehen. Das Schiff wirkt hell und luftig. Dass ich auf unruhiger See war, habe ich schnell vergessen. Meine Kabine hatte zum Glück Meerblick, sie war neu renoviert und sehr geräumig.

Vor dem Essen, noch etwas Seemännisches und Seemannsgarn

Das Ablegen in Stockholm ist ein Spektakel. Die Reiseroute führt zunächst durch das Fahrwasser des Schärengebietes zu den autonomen Ålandinseln. In Mariehamn wird kurz angelegt, um den steuerfreien Einkauf im riesigen Duty-Free Shop rechtlich zu ermöglichen. Der günstige Bordverkauf wird von den Passagieren gerne genutzt. Das Angebot an Spirituosen ist überwältigend. Auffällig auch die vielen 0,5l Pocket-Sizes für die Hosentasche. Alter Schwede! 😉

Silja Serenade Brücke in Stockholm

Auf der Brücke. Ablegemanöver in Stockholm in der Dämmerung

Wir haben mitten in der Nacht auf den Åhland-Inseln festgemacht. In dieser Novembernacht der gottverlassenste Ort der Welt. Im Sommer, wenn es fast nicht mehr dunkel wird, muss es traumhaft sein. Hier ein Link zum Skipperguide des Reviers.

Silja Serenade in den Schären Nachts

Nachts mit 15 Knoten an den Schären-Inseln vorbei. (Bild von Marine Traffic)

Und so ging es weiter nach Helsinki:

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„Foodies for sailors.“ Wohin mit all den hungrigen Seglern?

What shall we do with the hungry sailors? Diese Frage stellt sich mir eher selten. Denn dafür gibt es meinen Segel-Koch-Blog „Die See kocht“. Blogger Markus von „Get on Board“ hat jedenfalls darüber nachgedacht und eine tolle Aktion ins Leben gerufen.

Auf seinem Outdoor-Blog schreibt er über alles, was mit „On Board“ Aktivitäten zu tun hat. Das kann bei ihm überall sein: Auf oder im Wasser, über Stock und Stein oder im Schnee. Der Hunger kommt bei soviel Tatendrang nicht zu kurz. Was dabei kulinarisch machbar ist, war die Idee seiner Aktion.

Foodies for Sailors, eine ausgefallene Blog-Parade von „Get on Board“

Foodies For Sailors Logo und Motto Hungrige Segler Action

Das gelungene Aktions-Logo hat Anni von Pötit designed, es gefällt mir sehr.

Was unterscheidet Kochen an Bord von „normalem“ Kochen?

Unter dem Motto „Foodies for Sailors“ hat er neun erfolgreichen Bloggern das Thema „Kochen an Bord“ als Challenge gestellt. Die erschwerten Rahmenbedingungen in der Kombüse hat er in engen Regeln vorgegeben.

Die Bedingungen waren – grob zusammengefasst- ganz ähnlich denen auf meinem Boot. Nur zwei Flammen, keine elektrischen Küchengeräte, ohne Waagen oder Messbecher. Zusätzlich: Leicht erhältliche Zutaten und trotzdem originelle Rezepte, die jedem gelingen. Erlaubt war ein einfacher Backofen, den es bei uns an Bord noch nicht einmal gibt. Die Gerichte sollen sechs bis acht hungrige Segler satt machen.

Kochen an Bord. Leinen los für ein tolles Thema!

Natürlich war ich erfreut, dass mein Thema langsam auch ein Thema wird. Als ich vor zwei Jahren den Segel-Koch-Blog gestartet habe, hat mich doch so mancher schräg angeschaut und den Blog als „sehr nischig“ bezeichnet.

Aber an die Idee, sich beim Segeln, Wassersport, Outdoor oder Camping, gesund, saisonal und abwechslungsreich zu ernähren, habe ich fest geglaubt.

Kochen an Bord, Romatisch essen beim Segeln

Meine Idee: Schönes Outdoor Ambiente verdient schönes Essen!

Im Mai 2014 gab im deutschsprachigem Raum noch keinen Blog, der die Freizeit-Kombüsen-Küche zum einzigen Thema hatte. (Outdoor-, Camping-, Food & Travel Blogs, einzelne Rubriken und die Blauwasserküche einmal ausgenommen).

Das hat sich mittlerweile verändert, weitere reine Segel-Koch-Blogs sind dazugekommen. Mir soll das recht sein. Wenn ich mit meinem Blog dazu beigetragen habe, mehr Gleichgesinnte aufs Wasser zu locken, habe ich schon eines meiner Ziele erreicht.

Der schöne Segelsport hat es verdient, entspannter, relaxter und letztlich auch genussvoller zu werden. Maschendrahtzaun und Vereinsmeierei mag ich nicht. Charterer sind hier immer willkommen 😉

Kochen und genießen an Bord

Und jetzt die Füße hoch legen, zuschauen und die anderen kochen lassen!

Getreu dem Motto „Nirgends schmeckt der Fisch frischer und der Wein besser als am Meer“ habe ich die Gerichte der Blog-Parade durch meine Expertenbrille betrachtet. Ich war positiv überrascht, mit wieviel Sorgfalt sich meine Blogger-Kollegen dem Thema angenommen haben.

Appetit bekommen? Zwei von neun Rezepten in der Vorschau. © für alle Fotos liegt bei den Autoren.

Die ausführliche Besprechung aller Rezepte gibt es natürlich direkt bei Get on Board.

Get on Board Logo mit Claim Segelrezepte Kochen an Bord

Es lohnt sich öfter bei Get on Board reinzuschauen.

Und hier geht es zu meiner Einschätzung der acht Rezeptideen: (mehr …)