schwedisch

Ausgesprochen Schwedisch – „Schöttbullar“ Fleischbällchen mit Preiselbeeren

Es soll Leute geben, die glauben, dass das Köttbullar Rezept (gesprochen „Schöttbullah“) von einer schwedischen Möbelhauskette erfunden worden sei. Der niedliche Name reiht sich wunderbar in die skurril klingenden Namen ein. Stets gut gefallen hat mir die mittelfeste Matratze „Hamarvik“ und der traditionelle Apfelkuchen „Äppelkaka“. Auch die Schwedischen Fleischbällchen Köttbullar fallen zunächst durch den ungewöhnlichen Namen auf.

Schwedische Koettbullar Brunsoß Preiselbeeren

Hausgemacht sind sie wirklich lecker: Schwedische Köttbullar

Dabei ist die Übersetzung des schwedischen Nationalgerichts „Köttbullar“ ganz banal. Fleisch= Kött und Bullar = Brötchen (Mehrzahl) oder Bällchen.

Die Fleischbällchen lassen sich einfach zubereiten, die typische braune Soße „Brunsoß’“ gehört immer dazu. Sie gelingt im Handumdrehen. Frisch zubereitet schmecken die Mini-Buletten um Längen besser als die aus der Systemgastronomie.

Die See kocht Schwedische Koettbullar mit Preiselbeerrahm

Zum Naschen geeignet:Kleine Fleischbällchen mit Preiselbeersauce

Gibt es das authentische Köttbullar Rezept?

Nein, aber es gibt sowas wie ein Köttbullar Grundrezept. Rezepte wandeln sich mit der Zeit, neue Zutaten kommen hinzu. Fragst du zehn Personen, wirst du zehn „Hausrezepte“ erhalten. Allein schon in dem schönen „Nordic“ Kochbuch sind neun! verschiedene Versionen für Fleischbällchen aufgeführt. In ganz ursprünglichen Rezepten waren außer Hackfleisch nur Mehl, Ei, Semmelbrösel, Pfeffer, Salz und Piment enthalten. Erst später wurden Sahne und Kartoffeln untergemischt. Der Unterschied zu deutschen Buletten besteht hauptsächlich in der Größe der Bällchen und in den Beilagen.

Wie immer verwende ich in meinen Rezepten nur Zutaten, die ich gut finde. Bei der Zubereitung halte ich mich an Anleitungen, die mir sinnvoll erscheinen. So habe ich mich am „Mormors Köttbullar“ Rezept (Großmutter Fleischbällchen) orientiert und es mit einer Prise eines Rezeptes aus Dee’s Küche verfeinert. Dort, wie in vielen schwedischen „Original“ Rezepten fällt Sojasauce als ungewöhnliche Zutat sofort auf. Sojasauce ist als natürlicher Geschmacksverstärker viel besser als Maggi, was ich wirklich ungenießbar finde.

Koettbullar Schwedische Fleischbaellchen

Schmeckt auch mit Roggenbrot, aber nie ohne Preiselbeeren 😉

Welches Hack für die Köttbullar?

Für meine Rezeptversion habe ich gemischtes Hack (50% Schwein und 50 %Rind) mit einem niedrigen Fettanteil von 10% verknetet. Diesmal habe ich es mir beim Schlachter durchdrehen lassen. Das Hack soll fein sein, um die saftige Konsistenz der Köttbullar zu erreichen. Bei mehr als einem Pfund Fleisch war mir die eigene Hackproduktion zu mühsam. Bitte Hack immer sofort verarbeiten und möglichst nicht beim Discounter kaufen. Mehr zu selbstgemachtem Hack gibt es hier.

Schwedische Koettbullar roh gerollt

Klebrige Anlegenheit: Die Bällchen rollen

In Dänemark wird oft Kalb mit Schwein gemischt oder nur Schweinehack verwendet. Weiter oben im Norden bevorzugen viele reines Rinderhack. Sogar Elchfleisch wird in Skandinavien verarbeitet. Die traditionellen Essgewohnheiten entwickelten sich aufgrund der Verfügbarkeit der Zutaten.

Unnützes Wissen: In Dänemark heißen die Bällchen einfach „Boller“ oder auch Frikadeller. In Norwegen nennt man sie Kjøttboller, auf den Färöer Kjøtbollar. Nur Finnland fällt aus der Reihe. Hier bestellt man Lihapullat oder Lihapyörykät.

Was gehört zu schwedischen Köttbullar dazu?

Zu Köttbullar werden traditionell Salzkartoffeln, „Brunsås“ (braune Soße) und Preiselbeeren serviert. Was im Möbelhaus nach ordentlichem Convenience Food schmeckt, ist in der hausgemachten Version richtig herzhaft. Ich habe einen Esslöffel Preiselbeerkompott mit in die Soße gerührt. Die Preiselbeeren machen das Gericht so lecker. Ein Glas hält bei uns nie länger als zwei Tage.

Koettbullar alle Zutaten

Einfache Zutaten, die jeder vorrätig hat (ausser dem Hack)

Und das waren die Zutaten ( für etwa 45 Bällchen mit Soße)

  • 600 g gemischtes Hackfleisch (oder nur Rind, nach Geschmack)
  • 3 EL Semmelbrösel ( oder altbackenes Weißbrot)
  • 1-2 große Kartoffeln (möglichst mehlig kochend)
  • 1 Ei
  • 50 ml Milch
  • 50 ml Sahne
  • Etwas Wasser (optional)
  • 1 große Zwiebel
  • Meersalz und Pfeffer aus der Mühle
  • Einige Piment Körner, gemahlen (optional)
  • Prise Zucker (optional)
  • 1 EL Sojasauce
  • 1-2 EL Butter oder Öl zum Braten

Für die braune Soße „Brunsås“

  • Bratensatz (von den gebratenen Köttbullar)
  • 1 EL Preiselbeeren
  • 50 ml Sahne
  • 50 ml Milch (oder gleich 100 ml Sahne)
  • 1 EL Sojasauce
  • 1-2 EL Demi Glace oder Kalbsfond (am besten von Oscar)
  • Wasser (optional, wer viel Soße möchte)
  • 1 TL Speisestärke (optional, zur Soßenbindung)
  • Pfeffer aus der Mühle, Salz (meist nicht mehr nötig)

Beilage: Salzkartoffeln und Preiselbeeren aus dem Glas

Und hier geht es zur Zubereitung der etwa 45 Köttbullar: (mehr …)

Stockholm, Helsinki, Tallinn – und ein finnischer Gruß aus der Kombüse

Zwei Skandinavische Metropolen, zwei Baltische Städte, in nur dreieinhalb Tagen über die Ostsee kulinarisch bereisen – geht das? Ja, das geht. Nicht mit unserer Segelyacht, nicht mit der „A“, sondern mit einem echten Dickschiff.

Hering und Meer Tranan Restaurant Stockholm

Mein Thema für die nächsten Tage: Fisch und Seafood skandinavisch

Blekholmen Yachthafen Helsinki im November

Verlassen im Winter: Der Yachthafen Blekholmen direkt in Helsinki

Ich und eine Kreuzfahrt? Niemals!

Habe ich immer gedacht. Zur Überbrückung der Wintersaison konnte ich im Herbst eine ungewöhnliche Seefahrt unternehmen, die mir in jeder Hinsicht geschmeckt hat.

Auch meine geliebte Ostsee musste ich dadurch nicht allzu lange vermissen. Ein Rezept gibt es heute auch. Es stammt vom finnischen Starkoch Matti Jämsen. Zubereitet wurde es in einer richtigen Kombüse, in einer der vielen Küchen der „Silja Serenade“, einem Fähr-Kreuzfahrtschiff der Tallink Silja Line.

Kochen mit Matti Jämsen Silja Serenade

„If you can’t stand the heat, get out of the kitchen.“ Da ist viel wahres dran.

Aber von Anfang an. So eine Mini-Fähr-Kreuzfahrt beginnt in Stockholm. Die Anreise mit SAS ist kein Problem und sehr günstig. Schon der Anflug auf Stockholm ist spektakulär. Mir war gar nicht bewusst, wie imposant das Schärengebiet tatsächlich ist.

Eine Schäre, schwedisch „skär“ ist eine runde, felsige Insel. Diese entstanden, als während der letzten Eiszeit die Eismassen schmolzen. Schäreninseln können nur wenige Meter oder auch ein paar Quadratkilometer groß sein. Es gibt Tausende. Ein sehr anspruchsvolles Segel-Revier, soweit ich es von oben sehen konnte.

Meine erste Berührung mit schwedischen Spezialitäten war ein „Kanelknuter“. Übersetzt heißt das Zimtknoten, das schwedische Pendant zu unseren hanseatischen Franzbrötchen. Nur nicht ganz so klebrig.

Der Appetitanreger: Schwedenhappen und ein dicker Heilbutt

Da das Fährschiff immer erst am späten Nachmittag ablegt, war noch Zeit echte schwedische Küche kennenzulernen. Wo könnte man das besser als in einem traditionellen Restaurant? Das empfehlenswerte „Tranan“ gibt es seit 1929. Die Speisekarte war ganz nach meinem Geschmack. Viele lokale Produkte und die Erkenntnis, dass bei IKEA tatsächlich schwedische Küche angeboten wird. Spannend wird sie, wenn sie frisch und mit guten Zutaten gekocht wird. Claudio, der Küchenchef des Tranan serviert sogar echte Köttbullar.

Die See kocht im Cafe Tranan Stockholm

Wunderschönes altes Restaurant: Café Tranan in Stockholm

Unnützes Wissen: Köttbullar heißt übersetzt Fleischbällchen, ausgesprochen werden sie ungefähr „Schöttbullah“. Die Hackbällchen stehen im Tranan nicht auf der Karte. Trotzdem werden jede Woche 60 kg Hackfleisch zu den Klopsen verarbeitet. Insider und Locals bestellen sie einfach.

Ich habe mich für die traditionelle schwedische Vorspeise „Toast Skagen“, Heilbutt mit Steinpilzen und Crème brûlée entschieden. Der Toast war das „Amuse Gueule“ und die Einstimmung auf die nächsten drei Tage. Auf dem Teller fanden sich Garnelen (Rakör), Hering (Sill) und Kaviar.

Der Heilbutt war – nebenbei bemerkt – der beste, den ich seit langem gegessen habe. Kein dünnes Scheibchen, sondern ein dickes Filet aus der Mitte, perfekt auf den Punkt gegart. Sofort gegoogelt: Heilbutt wird bis zu 400 kg schwer – von so einem Burschen stammte wohl das Steak.

Einziger Wermutstropfen: Wer gerne Wein trinkt, stößt in Skandinavien schnell an seine Grenzen. Eine ordentliche Flasche kostet im Restaurant schnell um die 100 €. Deshalb habe ich mich für ein Craft-Beer entschieden.

Fabelhaft: Heilbutt mit Steinpilzen Tranan Stockholm

Der beste Heilbutt seit langem: mit Steinpilzen und Püree

Bevor wir die Silja Serenade entern konnten, gab es bei sonnigem Wetter einen Verdauungswalk rund um den Königspalast und das Stadtviertel „Gammla Stan“ (Alte Stadt). Dank Stieg Larsson und seiner Millenium Trilogie hatte ich mir das düsterer vorgestellt. Bei strahlendem Sonnenschein waren alle Stockholmer vor der Tür, die Geschäfte haben in Stockholm auch Sonntags geöffnet.

Trotzdem ungewohnt: Im November geht die Sonne schon kurz nach drei unter. Die Sonne steht tief, was aber ein sehr reizvolles Licht zaubert.

Skandinavisch unkompliziert geht es mit der U-Bahn zum Fährterminal. Viele Stockholmer fahren mal eben nach Helsinki und umgekehrt. Das Publikum ist bunt gemischt. Familien mit Kindern, Gruppen, Ehepaare. Auf Instagram unter dem Hashtag #siljaline kann man sich vom Treiben an Bord überzeugen.

Blick auf die Promenade

Interessant: Bullauge auf die Promenade mit Blick nach innen

Eine Fährverbindung mit Kreuzfahrt-Gefühl

Die Silja Serenade, die zwischen Stockholm und Helsinki pendelt, ist ein sogenanntes „Promenade“ Schiff. Das heißt, die Kabinen sind um eine Promenade herum gebaut. Diese bieten Blick auf die Shopping Mall.

Die Leute mögen es und buchen gerne den Blick nach innen. Bei 16 Stunden Dunkelheit im Winter ist das verständlich, denn hier gibt es mehr zu sehen. Das Schiff wirkt hell und luftig. Dass ich auf unruhiger See war, habe ich schnell vergessen. Meine Kabine hatte zum Glück Meerblick, sie war neu renoviert und sehr geräumig.

Vor dem Essen, noch etwas Seemännisches und Seemannsgarn

Das Ablegen in Stockholm ist ein Spektakel. Die Reiseroute führt zunächst durch das Fahrwasser des Schärengebietes zu den autonomen Ålandinseln. In Mariehamn wird kurz angelegt, um den steuerfreien Einkauf im riesigen Duty-Free Shop rechtlich zu ermöglichen. Der günstige Bordverkauf wird von den Passagieren gerne genutzt. Das Angebot an Spirituosen ist überwältigend. Auffällig auch die vielen 0,5l Pocket-Sizes für die Hosentasche. Alter Schwede! 😉

Silja Serenade Brücke in Stockholm

Auf der Brücke. Ablegemanöver in Stockholm in der Dämmerung

Wir haben mitten in der Nacht auf den Åhland-Inseln festgemacht. In dieser Novembernacht der gottverlassenste Ort der Welt. Im Sommer, wenn es fast nicht mehr dunkel wird, muss es traumhaft sein. Hier ein Link zum Skipperguide des Reviers.

Silja Serenade in den Schären Nachts

Nachts mit 15 Knoten an den Schären-Inseln vorbei. (Bild von Marine Traffic)

Und so ging es weiter nach Helsinki:

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