Seafood unlimited – Mit Tapas nochmal gründlich Sommer tanken

Ab Sonntag ist Schluss mit lustig, ab dann ist Winterzeit. Dann sind die Tage der lauen und hellen Segel- und Sommerabende endgültig gezählt (kleine Merkhilfe zur Zeitumstellung: die Stühle werden jetzt wieder ZURÜCK ins Café gestellt, im Frühling wieder VOR das Café).

Tapas. Mediterrane Bordküche, Bordrezepte Segeln

Die sonnigen Tage 2015 sind gezählt, die Stühle werden zurückgestellt

Da morgen der Altweibersommer noch einmal vorbeischauen soll, wollte ich euch ein paar letzte Seafood-Ideen mit ins Wochenende geben. Jetzt ist die letzte Gelegenheit, frische Meeresfrüchte noch mal an Deck, auf der Terrasse oder auf dem Balkon im Freien zu genießen. Ab Sonntag geht die Sonne um 17.00 Uhr unter. Doof oder?

Meeresfrüchte Tapas, als umweltverträglichere Alternative?

Auf meinem Zettel standen Oktopus, Navajas (Scheidenmuscheln), Almejas und Gambas. Bei den Meeresfrüchten stehen die WWF Ampeln wenigstens noch nicht komplett auf Dunkelrot. Der Tuna wurde bereits von meinem Speiseplan gestrichen.

Eingekauft habe ich alles auf dem Fischmarkt in Tarifa, Andalusien. Die Vielfalt in Spanien haut mich immer wieder um. Aber auch bei gut sortierten Fischhändlern in Deutschland kann man fündig werden. Hamburg ist hier natürlich klar im Vorteil.

Mediterrane Bordküche. Was kochen an Bord? Segelrezepte

In Hülle und Fülle: Muscheln auf dem Fischmarkt

Alle Tapas sind sehr unkompliziert und mit wenigen Zutaten zubereitet, der frische Eigen- und Meeresgeschmack der Produkte soll nicht überdeckt werden.

Der frische Oktopussalat

Diesen Salat findet man in Spanien wirklich in jeder Tapas Bar. Er ist leicht, frisch und passt gut bei Hitze, aber auch noch in der Fleecejacke.

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In Spanien überall zu haben: Tapa mit Pulpo

Oktopus sieht im Ganzen nicht so appetitlich aus. Wer frischen Oktopus kauft, muss ihn sorgfältig vorbereiten, sonst wird er zäh.

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Alien Food. Pulpo am Stück

In Griechenland oder Italien wird der Oktopus direkt noch im Hafen weich geprügelt, ähnlich wie wir unsere Schnitzel weichklopfen. Statt diesem Hafenkino gibt es eine sanftere Garmethode.

So wird der Oktopus weich gekocht

Vor dem Kochen die Krake ausnehmen, Augen und Kau­werk­zeu­ge entfernen. Eine geschnittene Knoblauchzehe und eine Zwiebel in Olivenöl andünsten, mit etwas Weißwein und Wasser auffüllen. Lorbeerblatt, Pfeffer und wenig Salz dazugeben und zum Kochen bringen.

Wenn alles sprudelnd kocht, den Oktopus in den Sud geben, einmal aufkochen lassen und die Hitze reduzieren. Den Topf zudecken und gut eine Stunde ganz sanft ziehen lassen. Danach sollte der Pulpo zart sein. Sicherheitshalber vorher einmal einstechen, wenn er sich in der Mitte noch wie Gummi anfühlt, weiter kochen lassen.

Tipp: tiefgekühlter Pulpo wird nach dem Garen viel weicher, durch das Einfrieren wird sein Fleisch mürber. Exemplare unter 1 kg Gewicht sollen ebenfalls zarter sein. Das Gerücht mit den mitgekochten Korken, ist dank heutiger Industrie-Korken wohl eher ein Mythos.

Ich freue mich aber auch auf eure Tipps dazu. Da ich in Spanien glücklicherweise einen bereits vorgegarten Pulpo bekommen habe, kann ich nicht sagen, welche Methode die Beste ist.

Sensible Esser können nach dem Garen die glibberige Haut von den Fangarmen abstreifen. Die, an Augäpfel erinnernden, weißen „Nubsis“ aus den Saugnäpfen können ebenfalls entfernt werden. Ich habe das meiste drangelassen, denn alles ist essbar.

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In meiner Pulpo-Variante ist mehr Gemüseanteil

Die Zuta­ten für den Oktopussalat:

  • 1 Stück Okto­pus, etwa 500 g, wie oben beschrieben vorgegart
  • 1 rote Paprika, entkernt, gewürfelt
  • 2 kleine Toma­ten entkernt, gewürfelt
  • 1 kleine rote Zwiebel, in Streifen geschnitten
  • 1 Knob­lauch­zehe, in fein gehackt
  • 1 paar Zweige Petersilie oder Koriander, gezupft
  • 4 EL gutes Olivenöl
  • Saft einer Limette oder 2 EL Weißweinessig
  • 1 frische kleine Chi­li­schote, zerrieben
  • Pfef­fer aus der Mühle, Meersalz

So wird der Pulpo Salat zubereitet:

Die Zubereitung geht fix, der Salat sollte etwas ziehen und schmeckt am nächsten Tag noch besser. Alles Gemüse passend zurechtschneiden. Den gegarten Oktopus, bzw. dessen Tentakel in Stücke von 1 cm Dicke zerteilen.

Da mein Exemplar bereits vorgegart war, und ich ein lauwarmes Produkt verarbeiten wollte, habe ich ihn in einer Sauteuse noch schnell für 1-2 Minuten in Olivenöl angedünstet. Danach vom Feuer nehmen. Das Gemüse zu dem lauwarmen Oktopus geben und mit restlichem Olivenöl, Limettensaft (oder Essig), Knoblauch, Chili, Salz, Pfef­fer und den Kräutern ver­mi­schen und ca. 1 Stunde durch­zie­hen lassen. Fertig.

Tapas. Mediterrane Bordküche, Bordrezepte Segeln

Zart und erfrischend. Der durchgezogene Pulpo Salat

 

Fingerfood: die kleinen Almejas

Statt den großen „Callista Chione“ habe ich diesmal kleine „Almejas“ Venusmuscheln gekauft. Diese werden eher genascht, sie sind nicht zum Sattessen.

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Purer Genuss. Almejas, die fast nur nach Meer schmecken

Auch die Almejas müssen gut in Salzwasser gewässert werden, damit sie ihren Sand freigeben. Beschädigte Exemplare unbedingt wegwerfen. Mehr dazu auch hier.

In den Sud können zusätzlich auch eine Möhre oder 1-2 Tomaten gegeben werden. Zu den Almejas passt frischer Koriander und Zitrone.

Meine Zutaten für 2 Personen als „Racion“ Almejas

  • 500 g Almejas, gewässert und geputzt
  • 1 kleine Zwiebel, gewürfelt
  • 1 Lorbeerblatt
  • 1-2 Knoblauchzehen, in hauchfeine Scheiben geschnitten
  • 1 kleine Chili, (frisch oder getrocknet)
  • Olivenöl
  • 1 Glas Weißwein (200ml)
  • Meersalz, Pfeffer aus der Mühle
  • Koriandergrün und Zitrone

Hier geht es zur Zubereitung der Almejas und der anderen Tapas:

In einer Pfanne Olivenöl erhitzen, die Zwiebeln und den Knoblauch darin anschwitzen. Mit Weißwein ablöschen. Den Sud etwas einköcheln lassen. Pfeffern und sparsam salzen, da die Muscheln noch viel Salz abgeben.

Das Gas höher drehen, Sud aufkochen lassen und die Muscheln hinein geben. Deckel drauf. Während des Garens 1-2 mal vorsichtig umrühren oder besser an der Pfanne rütteln. Die Schalen werden nach kurzer Anlaufzeit schnell und fast zeitgleich aufpoppen. Sobald alle Muscheln geöffnet sind, servieren, sonst werden sie zäh. Geschlossene Exemplare unbedingt aussortieren.

Almejas, mediterrane Bordküche, Was kochen beim Segeln

Unwiderstehlich. Muscheln im Sud, mit Knoblauch und Koriander

Mit Koriander bestreuen und mit Zitrone und Weißbrot servieren.

Tipp: Statt Weißwein kann auch sehr trockener Sherry aus Jerez verwendet und getrunken werden. Das macht Lust auf noch Meer.

Tapa Nr 3: Die Navajas

Die Scheidenmuscheln haben eine sehr charakteristische Form (spanisch: Navajas = Taschenmesser). Ihre länglichen Schalen findet man oft an Stränden, in Deutschland werden sie frisch eher selten angeboten.

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Findet man oft am Strand. Die länglichen Muschelschalen

Die Navajas sind in Spanien sehr beliebt, sie enthalten sehr viel Fleisch und haben einen milden, leicht süßlichen Geschmack.

Tipp: Ich finde 2-3 Navajas pro Personen als Tapa mehr als ausreichend, da man sich schnell an den großen fleischigen Muscheln „überfressen“ kann…

Die Zutaten für 2 Personen:

  • 1 Bündel Schwertmuscheln, Navajas (ensis ensis)
  • 1 kleine Zwiebel, gewürfelt
  • 1 Knoblauchzehe, gehackt
  • Olivenöl
  • 1 Glas Weißwein (200ml)
  • Meersalz, Pfeffer aus der Mühle
  • Glatte Petersilie

Die Muscheln unbedingt mehrfach waschen und mindestens eine Stunde – besser zwei – in kaltem Salzwasser wässern, da sie viel Sand enthalten. Das Wasser öfter wechseln. Die Schwertmuscheln fangen im Wasser sofort an, wie „Aliens“ zu züngeln. Dieses „Lebendmittel“ ist nichts für sensible Gemüter. 😉

Für die Zubereitung in einer großen Pfanne Olivenöl erhitzen, die Zwiebeln und den Knoblauch anschwitzen. Mit Weißwein ablöschen und etwas einköcheln lassen.

Danach das Gas höher drehen, die Muscheln in den Sud geben und zudecken. Vorsichtig 1-2 mal rütteln. Auch hier werden die länglichen Schalen zeitgleich aufgehen. Sobald die Muscheln geöffnet sind, servieren, denn das Fleisch wird sehr schnell zäh und gummiartig.

Mit glatter Petersilie, Meersalz und Pfeffer bestreuen.

Tipp: Auch einfach nur gegrillt mit grobem Salz sind die Navajas ein Leckerbissen. Aber die Grillsaison ist ja nun leider vorbei.

Und wer seinen Seafood Appetit immer noch nicht gestillt hat, kann noch die politisch unkorrekten Gambas braten, denn die dürfen in Spanien einfach nicht fehlen.

Die Zutaten für die Gambas a la plancha: (Medio ración )

  • 10-12 mittlere Gambas, ungekocht mit Schale
  • 2 Chilis, geschnitten
  • 4 Knoblauchzehen, in Scheiben geschnitten
  • Meersalz und Pfeffer aus der Mühle
  • reichlich Olivenöl, Koriander und Zitrone

Zubereitung der Gambas a la Plancha:

Die Gambas vorbereiten. Ich drehe aus Platzgründen den Kopf vorher ab und ziehe anschließend mit einer Pinzette den Darm heraus. Die Gambas abspülen und sehr gut trocken tupfen.

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Die dürfen in Spanien nicht fehlen: Gambas

Chilis in Öl anbraten, Knoblauch etwas später zusammen mit den Gambas in die Pfanne geben. Von beiden Seiten insgesamt 3-4 Minuten in reichlich Olivenöl anbraten. Gut sind sie, sobald sie rot geworden sind. Aufpassen: auch die Gambas können schnell tot gebraten werden.

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Schön scharf: mit Chili, Knoblauch, viel Öl und Koriander

Mit Meersalz, Pfeffer und Koriander bestreuen und mit den Fingern essen. Fertig ist Seafood Tapas Orgie. ¡buen provecho!

Und wer weiterhin Lust auf Seafood hat, der kann bei Fischküche.blogspot.de reinschauen. Ich kenne kaum einen deutschsprachigen Blog, der soviel Seafood im Repertoire hat. Ich bin froh, dass ich darauf gestoßen bin. Kompliment an die Macher.

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Bye bye Sommerzeit. Bis zum Sommer 2016

6 Kommentare

  1. Oh Gott, der arme Oktopus, wird windelweich geprügelt. Das hört sich martialisch an. ABER, das haben wohl die hiesigen Italiener wohl vergessen. Dort bekam ich meistens gut marinierte Gummiringe. Es klingt einleuchtend mit den Prügeleien, und sieht mal wieder wunderschön fotographiert aus, und appetitanregend. Das Tier in Gänze sieht aber auch zum Fürchten aus.
    Die besten Gambas habe ich in Savannah/ Georgia in einem Strand- Seefood Restaurant gegessen.-Auch der Oktopus Salat war köstlich .Man sage nie, die Amerikaner könnten nicht kochen.- Hessen liegt leider zu weit ab vom Meer. Schöne Herbsttage. + Liebe Grüße
    Twin -sister I.

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    1. Ja, zum Glück gibt es die Dinger in Spanien schon vorgekocht. Das erspart Prügeleien und lange Garzeiten. Beim Oktopus sieht man noch, dass er ein Tier ist. 😉 Liebe Grüße nach Hessen.

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  2. Ich habe noch nie Schwertmuscheln gegessen, das steht jetzt definitiv auf meiner „Mach-das-Liste“. Obwohl ich das Drama wenn sie anfangen zu züngeln schon vor meinen Augen sehe. Werde sie dann wohl versuchen im Meer wieder auszusetzen…
    Frage: wie hält man frischen Koriander an Bord fit? Meiner geht immer ein…

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    1. Hallo Lizzy, also die Schwertmuscheln züngeln wirklich massiv. Aber das ist ein Beweis, dass sie wirklich leben. Also nichts für sensible Gemüter.
      Zum Thema Koriander: Ich habe unter Proviant/ Kräuter ein paar Tipps aufgelistet. Das mit den Platiktüten und „Stiele gucken raus“ klappt ganz gut. Aber da ich weniger Platik verwenden möchte, bewahre ich die gewaschenen Kräuter jetzt lieber in Zewa eingewickelt auf. An einer kühlen Stelle gelagert, halten sie sich locker 4-5 Tage. Und wenn man zwischendrin welke oder matschige Blätter aussortiert sogar noch länger. Das gilt natürlich nicht für tropische Gewässer.
      LG Cornelia

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