Auch dieses Jahr habe ich mich neben dem Segeln wieder dem Chili-Anbau auf dem Balkon gewidmet.
Aus gutem Grund: Im Vergleich zu Tomaten sind Chilis recht robuste Pflänzchen. Hamburger Wetter scheinen sie zu mögen, auch ein Regenschauer macht ihnen nichts aus. Die Blätter beginnen nicht zu faulen – im Gegenteil, sie bleiben saftig grün und auch die Schoten sind robust und platzen nicht. Nur bei der großen Junihitze haben einige Pflänzchen ihre Blüten abgeworfen und im Vergleich zum Vorjahr wurden die Chilis dieses Jahr deutlich später reif. Trotzdem habe ich jetzt mehr als genug Chilis, die nun verarbeitet werden müssen.




Chili-Mango-Salsa im Kurz-Pickle-Ansatz
Aus der ersten Ernte des Jahres, die hauptsächlich aus den brutal-scharfen, gelben Habaneros bestand, entschied ich mich, diesmal eine karibisch-fruchtig-scharfe gelbe Habanero-Salsa mit Mango zu kochen. Auf Fermentation habe ich verzichtet, da ich mich mit dieser Konservierungstechnik mit kontrollierter Milchsäure-Gärung noch intensiver beschäftigen muss.
Die erste Pflückung sollte also eine Chilisauce im sogenannten Kurz-Pickle-Ansatz werden. Dazu müssen die Habaneros einfach für 1–2 Tage mit Salz und Knoblauch in Essig ziehen. In dieser Zeit dringt der Essig in die grob geschnittenen Chilis ein, der Essigsud nimmt gleichzeitig die Schärfe der Habaneros und das Aroma des Knoblauchs auf.
Bei der diesjährigen Habanero-Sauce habe ich aus den Fehlern des Vorjahres gelernt. Die „Afterburner“-Sri-Racha aus dem letzten Jahr war mir am Ende viel zu scharf. Dementsprechend selten habe ich sie verwendet, denn nicht jedes Essen sollte zu einer Mutprobe werden.
Bei der Verarbeitung der gelben Chilis mit ihren 100.000 bis 500.000 SHU geht es im Wesentlichen darum, die extreme Schärfe abzumildern, sprich das in den Chilis enthaltene Capsaicin zu verdünnen. Bitte tragt bei der Saucenherstellung unbedingt Einweg-Handschuhe und spült Brett und Messer und sonstige Werkzeuge hinterher sehr gründlich ab.
Wer mehr über die Chilis und die Definition der Schärfegrade wissen will, schaut am besten in den Sri-Racha-Beitrag aus dem Januar 2026.
Bei Chilis sitzt die meiste Schärfe in den Kernen, deshalb habe ich sie diesmal zusammen mit den weißen Scheidewänden vollständig entfernt. Das reduziert die Schärfe schon erheblich. Um das Feuer weiter abzumildern, habe ich die Chilis zusammen mit einer reifen, süßen Mango eingekocht. Der 50%ige Fruchtanteil in der Sauce halbiert (verdünnt) den Scoville-Anteil weiter. Mango passt nicht nur farblich hervorragend, sondern addiert eine gewisse tropische Fruchtigkeit. Dazu kommt noch ein guter Anteil an Palmzucker. Das Ergebnis ist eine feurige Sauce, die fruchtig und leicht süßsäuerlich schmeckt. Die Schärfe kommt langsam, durchdringend und langanhaltend, wird aber nicht extrem. Die Salsa schmeckt toll zu Grillhähnchen und auf Reis.

Wenn sie richtig zubereitet wird, bleibt die Sauce lange haltbar, ungeöffnet im verschlossenen Glas bis zu den BBQ‑Abenden im nächsten Jahr. Wer abkürzen möchte, kann sich hier auf direktem Kurs das Rezept als Print-PDF herunterladen.


Die Zutaten für den Ansatz:
- Eine Handvoll gelbe Habaneros und 2 rote Chilis (optional für die Farbe)
- 3–4 Knoblauchzehen
- Weißweinessig, circa 200 ml
- 1–2 TL Meersalz
Zubereitung des Ansatzes:
Küchenhandschuhe anziehen. Die Habaneros waschen, sorgfältig entkernen und die weißen Scheidewände entfernen. Knoblauchzehen pellen und grob zerkleinern. Chilis, Knoblauch und Salz in ein sauberes Einwegglas geben. Essig darüber gießen, bis alles gut bedeckt ist. Das Glas verschließen und für 24 bis 48 Stunden in den Kühlschrank stellen. Zwischendrin ab und zu durchschütteln.




Weitere Zutaten und Fertigstellung der Sauce:
- 1 richtig reife Mango, circa 200–300 g
- 1 Stück Palmzucker (circa 50 g) oder anderer brauner Zucker
- 100-200 ml Wasser (nach Geschmack)
- 1 Bio-Limette (optional)
Den Palmzucker grob zerkleinern, die Mango schälen und würfeln. Die Gläser mit kochendem Wasser sterilisieren und bereit halten.
Den Inhalt des Einmachglases zusammen mit den Mangowürfeln und dem zerkleinerten Palmzucker in einer Sauteuse mit einem Schuss Wasser für 10–15 Minuten aufkochen. Bio-Limette waschen und abreiben. Limettensaft auspressen und beiseite stellen. Die Schale einer halben Bio-Limette kann optional mitkochen.
Chilis im Sud etwas abkühlen lassen, Limettenschale herausnehmen und den Inhalt in einem Mixer möglichst glatt pürieren. Danach das Püree durch ein feines Sieb streichen und in der Sauteuse erneut aufkochen. Bei schwacher Hitze für ca. 10 Minuten sanft köcheln lassen und mit dem Limettensaft, eventuell noch etwas mehr Zucker oder Honig (auch Agavendicksaft) final abschmecken.




Die Sauce noch möglichst heiß in die sterilisierten Gläser füllen. Falls was danebengeht, Ränder mit sauberem Küchenpapier abwischen. Gläser gut verschließen und abkühlen lassen. Da die Sauce viel Essig enthält und kochend heiß abgefüllt wurde, ist das Risiko für Keime extrem gering. Auch die Schärfe schützt auf natürliche Weise vor Verderb. Achtet auf das typische Vakuum-Klick-Geräusch, wenn der Deckel sich beim Abkühlen nach innen wölbt.
Werkzeuge: Einweg-Handschuhe, Messer, Brett, Sauteuse, Mixer, Sieb, Kochtopf und kleine Einweckgläser oder Fläschchen
Für noch längere Haltbarkeit: richtig einkochen
Wer ganz sicher gehen möchte, kann die verschlossenen Gläser und Fläschchen anschließend noch richtig einkochen. Dazu den Boden eines größeren Topfs ein paar Zentimeter hoch mit Wasser füllen, ein Handtuch auf den Boden legen, die Gläser daraufstellen und zugedeckt im Wasserbad für 15–20 Minuten bei 85 °C bis 90 °C pasteurisieren. Die Sauce ist danach auch ungekühlt im Vorratsregal über viele Monate haltbar. Angebrochen gehört sie in den Kühlschrank.

Tipp: Am besten immer nur kleine Gläschen befüllen. Die sind nach dem Öffnen schneller aufgebraucht. Aus Erfahrung weiß ich, dass die sogenannten „Kühlschrankleichen“ nach einer Weile unappetitlich aussehen und irgendwann dann doch entsorgt werden.
Variationen: Anstelle der Mango kann eine reife Ananas verwendet werden. Zum weiteren „Strecken“ der Sauce kochen manche auch Möhren oder Zwiebeln mit ein. Auch Gewürze wie frischer Ingwer oder Kurkuma (für die Farbe) passen gut. An trockenen Gewürzen könnt ihr Koriandersaat oder auch Kumin mitkochen.
Tipp: Den restlichen Chili-„Trester“ aus dem Sieb habe ich flach auf einem Stück Backpapier ausgestrichen und die Masse in der Sonne (oder im Ofen) getrocknet. Danach in Stücke geschnitten, in der Pfanne kurz angeröstet und mit Meersalz im Mörser zu Chili-Salz verarbeitet.


Meine Erfahrungen mit der Chili-Zucht:
Nach erfolgreicher Überwinterung der gelben und roten Habaneros und einem kleinen Thai-Chili-Bäumchen habe ich schon im Januar/Februar weitere Chilisorten ausgesät. Neu waren für mich die aromatischen gelben Anden-Chilis für authentisches Ceviche, eine Tabasco-Chili-Pflanze, die kleine scharfe „Emma“ Kirschchili (toll für kleine Balkone) und die mildere Serrano-Chili.
Dazu noch weitere Thai-Chilis, zum Teil aus Saatgut vom Vorjahr, zum Teil direkt aus frischen Chilis vom Isemarkt. Bis auf die Tabasco-Chili sind alle Sorten sehr gut gediehen und haben reichlich Früchte produziert.
Bei den Thai-Chilis handelt es sich vermutlich um verschiedene Sorten, denn Reifezeitpunkt, Form, Größe und Blattfarbe unterschieden sich deutlich. Während das eine Bäumchen schon abgeerntet ist und bereits die Blätter abwirft, steht das andere Pflänzchen jetzt Anfang Oktober noch in voller Blüte und die ersten Früchte werden jetzt erst rot.

Bei den fruchtigen Anden-Chilis freue ich mich schon auf die hausgemachte gelbe Aji-Amarillo-Paste für peruanische Gerichte. Einen Teil der milderen Chilis werde ich einfach in Essig einlegen.
Mit der restlichen Ernte probiere ich demnächst vielleicht auch die Fermentationsmethode. Der Rest wird aufgefädelt und getrocknet oder eingefroren. Bis zum nächsten Sommer darf ich mich, was Chilis angeht, wirklich als Selbstversorger bezeichnen.


Auch Chilipflanzen müssen ins Winterlager!
Chilipflanzen sind mehrjährig. Sie mögen bzw. überleben keine Temperaturen unter 10 Grad. Im Indoor-Winterlager können sie die dunkle Jahreszeit mit wenig Pflege meist gut überstehen. Dazu müssen die Pflänzchen in eine Art Winterschlaf versetzt werden: Alle Blätter und Zweige werden – bis auf ein paar Astgabelungen – brutal heruntergekürzt. Der Wurzelballen wird komplett von Erde befreit und ebenfalls etwas beschnitten.
Die rabiate Prozedur soll Ungeziefer im Haus vermeiden. Der gesäuberte Wurzelballen wird dann in einen kleineren Topf mit frischer Anzuchterde gepflanzt und an ein Fenster in einem kühlen Raum gestellt. Die Pflanzen sollten nicht gedüngt und nur ganz wenig gegossen werden. Mit etwas Glück beginnen sie im Frühling wieder auszutreiben.
Und wenn die Chilis im Februar die ersten grünen Blättchen zeigen, ist auch die neue Saison nicht mehr weit. Ahoi.
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