Garnelen, Krabben, Shrimps oder Scampi? Krustentiere mit Estragon-Butter

Warum ein Hummer manchmal nach Languste klingt, eine Krabbe eine Garnele sein kann und eine Garnele kein Scampi ist, aber trotzdem oft als solche serviert wird? Das alles klingt verwirrend und sorgt für Überraschungen auf manchen Tellern. Auf den Speisekarten vieler Restaurants herrscht, was Krustentiere angeht, eine geradezu babylonische Sprachvielfalt. Manchmal unbewusst, manchmal nur um Kasse zu machen.

Achtung Werbung! Mit diesem Beitrag mache ich keine Kasse, sondern unbezahlte Werbung für nachhaltig gefangenen Fisch und ein wunderbares Kochbuch, das mir auf einem Presse-Event überreicht wurde.

Die See kocht Garnelen in Estragonbutter

Krebsfleisch und Estragon – das harmoniert

Garnelen, Krabben, Shrimps oder Scampi? Was sind die Unterschiede und was passt dazu? Mit dem Beitrag versuche ich etwas Licht ins Krustentier-Dunkel zu bringen. Das verblüffend einfache Rezept „Garnelen in Estragon – Butter“ lässt sich mit vielen Arten von Krebstieren zubereiten. Krustentiere gibt es in unendlich vielen Varianten. Auch diese Fragen habe ich mir dabei gestellt:

Wie unterscheidet sich das Fleisch? Wo kommen die Krebstiere her? Wie nachhaltig werden sie gefischt? Welche Krustentiere kann ich noch mit gutem Gewissen kaufen? All das verrate ich nach dem Rezept.

Frisch Gefischt Kochbuch an Deck mit Shrimps

Nachhaltiger Fischfang und Fischrezepte: Frisch Gefischt

Krustentiere (crustaceans) – welche sind nachhaltig und welche nicht?

Ob Languste, Hummer Krabbe, Krebs, oder Garnele – was in der Küche unter dem Begriff Krustentiere läuft, gehört – biologisch gesehen – alles zu den Krebstieren (Crustacea). Sie bilden eine Ordnung innerhalb der Klasse der „Höheren Krebse“.

Die sogenannten Zehnfußkrebse (Decapoda) sind ein begehrtes Fischereiprodukt. Sie werden entweder mit Reusen oder Körben gefangen, manchmal sogar noch mit Speeren gejagt. Leider viel zu oft mit Schleppnetzen gefischt oder in Shrimpfarmen gezüchtet. Das süßliche weiß-rote Muskelfleisch steckt meist im Hinterleib. Beim Hummer oder beim Taschenkrebs a.k.a. Knieper, sitzt das beste Fleisch in den Scheren.

Krusten- und Schalentiere verschiedene Sorte

Zum Glück gehört ein gut sortierter Fischhändler

Perfekte Harmonie: Krebsfleisch mit Estragonbutter

In heutigen Krebs-Rezept geht es um die Kombination von Krebsfleisch mit Estragon und Butter. Das Original-Rezept, das mich dazu inspiriert hat, setzt auf Königs-Krabbenbeine. Da diese bei uns kaum zu finden oder fast unbezahlbar sind, habe ich alternativ Bio-Black-Tiger-Prawns verwendet.

Rezept aus „Frisch gefischt“- Ein nachhaltiges Fisch-Kochbuch

Die Inspiration zu dem Rezept stammt aus dem wunderschönen Kochbuch „Frisch Gefischt“ des Niederländers Bart van Olphen (kein Affiliate). In dem Buch finden sich 100 leckere Rezepte für nachhaltig gefangenen Fisch und Seafood. Alle Rezepte sind einfach zuzubereiten, brauchen nur wenige Zutaten und Hilfsmittel. Dem Autor ist es wichtig, den natürlichen Eigengeschmack von Fisch zu unterstreichen und nicht zu überdecken.

Zu den Rezepten gibt es wertvolle Information über nachhaltigen Fischfang. Fisch ist eines der wenigen natürlichen Lebensmittel, das es noch! in der freien Natur gibt. Die steigende Nachfrage lässt sich nicht unbegrenzt befriedigen. Das Buch zeigt auf, welche Mühen es bereitet, nachhaltig zu fischen. Die kulinarische Reise führt uns um die ganze Welt. Zu den Hummer- und Krabbenfischern im kanadischen Nova Scotia, zu den Holzboot-Fischern in Gambia oder zum nachhaltigen Garnelen Fang in Exmouth an Australiens Westküste. Die Fotos von den Gerichten und den Fischern vor Ort stammen von David Loftus. Er fotografiert nur mit Tageslicht, an Deck oder bei den Fischern. Die Gerichte werden im Freien, am Strand oder in den Häfen zubereitet und präsentiert. Klar, dass mir das gefällt.

Werbung: Frisch gefischt Kochbuch

Beim Pressetermin konnte ich den Autor wiedertreffen und die Königskrabbe probieren

Das Rezept: Krebs oder Garnelen mit Estragon-Butter

Das Gericht selbst ist blitzschnell zubereitet, wie fast alle Rezepte aus dem „Frisch Gefischt“ „Kochbuch. Es werden nur wenige Zutaten benötigt. Im Original wurden Königskrabbenbeine verwendet. Die sind hier schwer aufzutreiben und wenn sind sie sündhaft teuer. Welche Alternativen es gibt, und wie ihr Krabben, Garnelen, Krebse und Co unterscheidet, was nachhaltig ist und wovon man am besten die Finger lässt, findet ihr im Glossar nach der Zubereitung.

Die King-Crab-Legs, die Bart van Olphen im Original auflistet, habe ich durch Bio-Garnelen ersetzt. Geschmacklich gibt es zwar einen Unterschied, aber als Ersatz sind die Garnelen durchaus vertretbar.

Estragon Garnelen mit Kochbuch Frischt gefischt

Die schönen Fotos im Buch stammen von David Loftus

Die Zutaten:

  • 160 g-200 g Bio-Black-Tiger-Garnelen mit Schale (ohne Kopf)
  • Einige Zweige frischer Estragon
  • Frische Petersilie (optional)
  • 2 EL Butter
  • Pfeffer aus der Mühle
  • Meersalz
  • 1 Zitrone
Estragon wässern und retten

Estragon wiederbeleben: Gelingt auch bei heißen Temperaturen

Tipp: Für den Bordgebrauch kaufe ich gerne TK-Garnelen, die können während des Transports langsam in der Kühlbox auftauen und dienen dort als extra „Kühl-Akku“. Die TK-Garnelen sind dann am nächsten Tag noch frisch. Bitte achtet beim Einkauf auf die Qualität, das geht leider oft nur über „trial and error“ oder gute Bezugsquellen. Manchmal schmecken Garnelen nach Chlor, Medikamenten oder nach nichts. Insbesondere in Thailand ist mir das oft aufgefallen. Hier treiben viele Shrimp-Farmer ihr Unwesen.

Mit den TK-Tiger-Prawns von Followfish habe ich gute Erfahrungen gemacht (*nochmal unbezahlte Werbung aus Überzeugung, ohne Link und ohne Produkt-Sample). Die Tiger-Prawns haben eine schöne Größe, kommen mit Schale, aber ohne Kopf. Sie schmecken und der Darm wurde vorab schon entfernt, was ich sehr appetitlich finde. Der Hersteller kümmert sich nach eigenen Angaben um die Wiederaufforstung der Mangroven im Herstellungsland Vietnam. Normalerweise ist bei Zuchtgarnelen das Gegenteil der Fall. Mehr darüber findet ihr im Glossar, nach dem Rezept.

Die Zubereitung ist einfach und dauert nur 3-5 Minuten. Hier weiterlesen:

Die Garnelen langsam in der Kühlbox/Kühlschrank auftauen. Auftauwasser wegschütten. Garnelen abspülen und mit Küchentuch gründlich trocken tupfen. Dann der Länge nach mit einem scharfen Messer halbieren. Falls notwendig, den Darm noch entfernen.

Bio Tiger Prawns roh halbiert

Glasiges Fleisch, das nur nach Meer riechen sollte

Tiger Prawns in Butter anbraten

Garnelen in Butter sanft braten

Estragon und Petersilie (optional) zupfen und waschen. Ebenfalls trockentupfen. Butter, Zitrone, Pfeffer und Salz bereithalten.

Einen Esslöffel Butter langsam bei niedriger Hitze in einer Pfanne schmelzen. Die Garnelenhälften mit der Fleischseite nach unten die Pfanne legen und für etwa 30 Sekunden etwas anziehen lassen.

Sofort wenden, Hitze leicht erhöhen und von der Schalenseite für zwei Minuten weiter braten. Die Schalen werden dabei rot und fangen an sich zu kringeln.

Estragon und Petersilie (optional) darüber streuen, salzen, pfeffern und noch einen Esslöffel Butter sowie den Saft einer halben Zitrone auf die Garnelen träufeln. Alles noch für maximal eine Minute durchschwenken und sofort mit der restlichen Zitrone servieren.

Je nach Größe der Garnelen dauert die Zubereitung insgesamt nur drei bis fünf Minuten. Das Garnelenfleisch sollte gerade nicht mehr glasig sein. So bleibt es schön zart und saftig.

Die See kocht Garnelen in Estragonbutter

Tipp: Das leicht anisartige Estragon und das süßliche Krabbenfleisch harmonieren perfekt.
Estragon am besten nur leicht erwärmen, das fördert das Aroma. Wer keinen Estragon findet oder dabei hat, kann auch etwas Pernod oder Pastis verwenden. Falls dies auch nicht vorhanden, passt alternativ ein kleiner Schuss Raki oder Ouzo oder ein anderer anisähnlicher Schnaps.

Und jetzt geht es zum Krustentier Glossar, zu dem mich das Kochbuch inspiriert hat. Es ist wirklich spannend, was ich alles bei der Recherche herausgefunden habe.

Bio Garnelen in Estragon Butter

Perfektes Fingerfood als Vorspeise: Garnelen mit Estragon

Glossar Krustentiere: Krebse, Garnelen, Scampi und Krabben, hier geht es weiter:

Die Langusten (Palinuridae)

Fangen wir in der Luxusabteilung an. Langusten sind die exklusiven Verwandten des Hummers. Sie haben keine Scheren, dafür lange Antennen. Ihr Fleisch ist fettarm und fest, es schmeckt sehr delikat. Langusten im Handel sind 30 cm bis maximal 50 cm groß. In Deutschland werden fast ausschließlich tiefgekühlte Langustenschwänze angeboten. Die „Ritterkrebse“ oder auch Stachelhummer bewohnen felsige Küsten. Man findet sie in nahezu allen warmen und tropischen Gewässern der Welt. Auf den internationalen Speisekarten stehen sie unter folgenden Namen: GB: Rock Lobster oder Spiny Lobster, in manchen Ländern auch craw- oder crayfish, Frankreich: Langouste, Italien: Aragosta, Spanien: Langosta, Portugal: Lagosta.

Languste und Hummer auf Markt

Langusten haben lange Fühler, keine Scheren

Der WWF Fischratgeber gibt für Langusten grünes Licht, wenn sie aus folgenden Gebieten kommen: Kuba, Bahamas, Australien. Dort werden sie im Wildfang entweder von Hand gesammelt oder in Fallen gefischt. Vom Langusten aus dem Indischen Ozean, dem östlichen Atlantik und dem Mittelmeer wird abgeraten. Sie werden zum Teil in Stellnetzen gefangen und sind sehr überfischt.

Bei lebenden Langusten sollte der Schwanz gekrümmt sein. Ist er ausgestreckt, ist die Languste nicht mehr sehr lebendig. Sollen lebende Langusten zubereitet werden, gelten die selben gesetzlichen Bestimmungen wie beim Hummer.

Hummer (Homarus)

Es gibt im wesentlichen zwei Hummerarten. Den Europäischen- und den Amerikanischen Hummer. Der europäische Hummer (Homarus gammarus) ist stark gefährdet und steht auf der „Roten Liste“. Der Amerikanische und vor allem der Kanadische Bestand gilt noch als stabil. Eingeschleppte Amerikanische Hummer gehen mittlerweile auch an der norwegischen und dänischen Nordseeküste in die Fangkörbe.

Europäische Hummer gibt bzw. gab es von den Lofoten bis nach Marokko, von den Azoren bis nach Israel. Nur in der Ostsee ist er nicht zu finden. Ganz wenige Hummer werden noch vor Helgoland gefangen. Unter großem Aufwand werden sie dort versuchsweise wieder gezüchtet.
Früher galt dieser „höhere Krebs“ als ein Arme-Leute-Essen. Heute sind Hummer eine Delikatesse, sie werden lebend in Korbreusen gefangen und verkauft. Hummerscheren müssen während des Transports mit Gummi fixiert werden, damit sich die Tiere nicht gegenseitig auffressen.

Hummer und Languste auf Fischmarkt

Die Scheren werden fixiert, damit er nicht seine Nachbarin frisst

Hummerfleisch verdirbt extrem schnell. Deshalb wird er meist lebend oder als TK-Ware angeboten. Als Besonderheit taucht im Handel der „High Pressure Lobster“ auf. Laut der Werbung werden die Tiere gleich nach der Anlandung durch Überdruck von 2.300 bar getötet. Danach noch in rohem Zustand ausgelöst und in Teilen oder auch als ganzer Hummer schockgefrostet. Das vakuumverpackte Hummerfleisch wird dadurch zum Convenience-Produkt und ist das ganze Jahr in gleichbleibender Qualität verfügbar.

Das Verfahren soll dem Hummer Qualen ersparen. Ob das stimmt? Jedenfalls erspart es dem Tier den unschönen Lebend-Transport und das elende Leben im Aquarium eines Restaurants. Dem Konsumenten und Hobbykoch nimmt es eine Gewissensentscheidung ab.

Die Zubereitung eines Hummers ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Hummer dürfen laut Wiki nur in sprudelnd kochendem Wasser getötet werden, weil dies das Tier am schnellsten töten soll.

Eine weitere Tötungsmethode für Krebstiere ist der Elektroschock. Der lebende Krebs wird in einem speziellen Gerät innerhalb einer Sekunde mit Strom betäubt. Durch Strom wird anschließend das zentrale Nervensystem und somit der Hummer getötet. Das Gerät dazu heisst „Crustastun“. Die Schweiz schreibt die Betäubung bereits gesetzlich vor. Die EU braucht wohl noch.

Einen sehr interessanten Artikel dazu habe ich bei „Munchies“ gefunden. Holländische Chefköche erzählen, wie sie dem Hummer den Garaus machen und wie es ihnen dabei ergeht. Um es klar zu sagen: Ich würde niemals lebenden Hummer zubereiten. Mir ist natürlich klar, dass bei jedem Tier, das ich verzehre, dies bereits ein anderer für mich erledigt hat.

Nützliches Wissen: International findet ihr Hummer unter folgenden Bezeichnungen:  GB: Lobster, Frankreich: Homard, Italien: Aragosta oder Astice, Spanien:  Bovagante, Portugal: Lagosta

Flusskrebse (Astacus astacus):

Dieser Krebs ähnelt mit seinen großen Scheren dem Hummer. Es gibt viele Arten, die meisten stammen aus den USA. Flusskrebse leben im Süßwasser. Sie reagieren sensibel auf Verunreinigungen ihres Lebensraums und sind deshalb auch ein Indikator für die Wasserqualität des Gewässers.
Flusskrebse, insbesondere Exemplare aus den USA dürfen noch mit gutem Gewissen verzehrt werden. Sie werden in Fallen, also meist ohne Beifang, gefischt. Das Fleisch ist saftig und fein. Fast jeder Supermarkt bietet vorgekochtes und ausgelöstes Flusskrebsfleisch für den kleinen Geldbeutel an. Optisch ähnlich ist der europäische Verwandte, der Edelkrebs. Dieser ist allerdings durch Einwanderung und Umwelteinflüsse bedroht.

Flusskrebsfleisch gekocht geschält

Preiswert: Flusskrebsfleisch, ausgelöst und vorgekocht

Kaisergranate oder Scampi:

Der Kaisergranat (Nephrops norvegicus) ist ein Musterbeispiel für die babylonische Sprachverwirrung bei den Krebstieren. Kaisergranate heißen in Dänemark „Jomfruhummer“ oder Norwegischer Hummer, auf Französisch „Langoustine“. In vielen Mittelmeerländern ist Kaisergranat als Scampo (Einzahl) bekannt.

Achtung Mogelpackung: Was bei uns oft als Scampi auf den Tisch kommt, ist manchmal nur eine Garnele. Dabei ist es ganz einfach: Ein Scampo hat Scheren, Garnelen haben Fühler. Manchmal taucht er auch als Langostino oder Kaiserhummer auf den Speisekarten auf.

Kaisergranate sehen aus wie Hummer, nur kleiner und schlanker. Die roten Krebstiere werden maximal 25 cm lang, in Ausnahmen auch mal 30 cm (Langoustine royale). Der Krebs hat eine harte Schale und schmale Scheren, die aber nur bei großen Exemplaren Fleisch enthalten. Frischer Kaisergranat hat eine rosa Färbung. Wenn er länger liegt, färbt er sich orange. Er darf nicht fischig richten.

Jomfruhhummer aus Dänemark

In Dänemark beliebt: Frischer Jomfruhummer (Foto von Babs)

Kaisergranate gelten als nicht gefährdet. Es gibt sie auch in der nördlichen Ostsee – auf Anholt und insbesondere auf der Insel Læsø im Kattegat. Segler aufgepasst: Hier findet jedes Jahr ein Jomfruhummer Festival statt. Dieses Jahr ist es am 04. August 2018.

Kaisergranate werden in Fallen gefangen und leider auch mit Schleppnetzen, was eine hohe Beifang-Quote mit sich bringt. Geschmacklich unterscheidet sich Kaisergranat – also echter Scampi – von den Garnelen. Das Fleisch des Kaisergranats ist hell, roh fast durchsichtig. Es ist sehr zart und schmeckt leicht süßlich.

Die Garnelen:

Garnele, Shrimps, Prawn, Crevette, Gamba, Gung, Camarón, Camarao oder Nordseekrabbe. Es gibt über 3000 verschiedene Arten und scheinbar ebenso viele Bezeichnungen für den beliebten Langschwanzkrebs.

Garnelen lassen sich einfach von den Hummerartigen unterscheiden. Sie haben nie Scheren, sondern lange Fühler. Ihre Schale ist eher weich. Ungekocht sind Garnelen meist durchsichtig, weiss, gräulich oder auch gelblich-grünlich gestreift. Die handelsüblichen Garnelen sind die etwa zehn Zentimeter großen Geißelgarnelen (Penaeidae). Sie stammen fast immer aus der Zucht.

Weisse Garnelen roh frisch mit Kopf

Frische Garnelen erkennt ihr auch an den Augen

Bei Garnelen liegen Himmel und Hölle nah beieinander. Billige Garnelen schmecken oft nach nichts oder nach Chlor, Brackwasser oder Chemikalien.

Garnelen tragen viele Namen. Auch diese sind manchmal nicht ganz korrekt, aber haben sie haben sich mit der Zeit eingebürgert oder sie wurden eingedeutscht.

So heissen sie in:

  • England und international: Shrimp (S), Prawns (L), King-, Jumbo oder Tiger-Prawns (XL)
  • Frankreich: Crevettes
  • Spanien: Gambas, Camarones, aber auch Langostino (XL)!
  • Portugal: Camarão oder Gamba
  • Italien: Gambaretto (S) Gambero (M), Gamberone(XL)
  • Deutschland: Shrimps(XS) oder Garnelen
  • Dänisch/Norw./Swed.: Rejer/ Reker /Räkor

Auf Speisekarten werden Garnelen manchmal als Scampi angeboten, was nicht korrekt ist.

Viele Garnelen stammen aus Salzwasser, dann meist aus Wildfang. „Freshwater“ Garnelen sind stammen aus Süß- bzw. Brackwasser. Letztere kommen fast immer aus der Aquakultur.

Zuchtshrimps stellen ein Riesenproblem für die wichtigen Mangrovenküsten in tropischen Ländern dar. Versalzung, Pestizide und Erosion sind hier nur einige Stichworte. In Thailand und Vietnam sind bereits über 50% der Mangrovenwälder verschwunden. Die Menschen dort zerstören damit den natürlichen Lebensraum der Garnelenlarven, die Kinderstube vieler Fische und ihre eigene Existenzgrundlage. Oft haben sie leider keine andere Wahl.

Garnelen aus Wildfang:

Wildfang-Garnelen klingt zunächst natürlicher. Die Garnelen aus freier Natur haben durch die Schleppnetzfischerei eine extrem hohe Beifangrate. Für 1 kg Garnelen werden bis zu 9 kg Fisch gefangen und wieder weggeworfen. Schleppnetzfischerei hat dramatische Folgen für die Umwelt. In tropischen Gewässern werden Korallenriffe und der Meeresboden oft unwiderruflich beschädigt.

Shrimp Reyer mit Zitronenmayo Tunö

Garnelen aus kalten Gewässern: aromatische Rejer in Dänemark

Etwas besser sieht es bei den Eismeergarnelen aus. Diese Kaltwassergarnelen aus Wildfang kommen auch als Island- Grönland- oder Tiefseegarnelen auf den Markt. Die Garnelenart lebt in den nördlichen Meeren in sehr großen Tiefen. Im eiskalten Wasser wachsen sie langsam, deshalb sagt man ihnen einen aromatischen Geschmack nach. Sie gibt es gekocht, geschält und glasiert oder auf skandinavische Art in der Schale gekocht. Der WWF Fischfinder gibt immerhin teilweise grünes Licht für einige Fanggebiete.

Fun-Fakt: Auch die beliebte Nordseekrabbe ist eine Garnele. Sie schmeckt frisch gekocht und selbst gepult am besten.

Das Kaliber der Garnelen

Beim Garnelen Großeinkauf findet ihr statt näherer Sortenbezeichung häufig nur das Kaliber. Bei Garnelen mit Kopf kennzeichnet dies die Anzahl der Garnelen pro Kilo. Bei Garnelen ohne Kopf die Anzahl pro lbs (englisches Pfund = 0,454kg).

Steht dort also zum Beispiel 4/6 habt ihr echte Riesengarnelen vor euch. Das geht dann runter bis auf 90/120. Bei Cocktail Shrimps sogar bis auf 100/200 oder 200/300 Stück pro Pfund. Dann wiegt ein Shrimp nur noch zwei Gramm oder weniger. Die größten Garnelen können bis zu 30 Zentimeter erreichen. Das wäre ein Kaliber von 2 bis 3 Tieren pro Kilo. Diese Riesengarnelen müssen nicht automatisch am besten schmecken. Sie sind nur teurer.

Fazit: Gerade bei Garnelen bin ich sehr zwiegespalten und esse sie nur noch selten. Die beste Lösung ist hier noch die Bio-Zucht. Ob sich die Hersteller in den Tropischen Ländern wirklich an die Standards halten, bleibt auch Glaubenssache. Es gibt mittlerweile auch Weiße-Tiger-Garnelen aus Zucht in Deutschland. Diese Garnelen sind recht teuer oder ihren Preis wert. Kommt auf die Betrachtungsweise an.

Die Krabben:

Auch Krabben sind Krebstiere, allerdings sogenannte Kurzschwanzkrebse mit einem runden oder ovalen Körper. Krabben schmecken köstlich, sind aber schwierig zu essen. In den USA war es immer ein großer Spaß, große Krabbenberge auf Zeitungspapier und nur mit Hammer und Zange bewaffnet, zu knacken. Tolle Krabbenrestaurants gibt es auch in Singapur, Thailand, Vietnam oder China.

Strandkrabbe Möven Speisung

Auch die Krabben gehören zu den Krebstieren

Dies sind die mir bekannten Arten:

Strandkrabben (Carcinus maenas): In der Ostsee finden ihr überall die kleinen bis mittelgroßen Strandkrabben, vielleicht hat euch schon mal eine „Gemeine Strandkrabbe“ beim Baden gezwickt. Kinder fangen diese Krebsart gerne und veranstalten das in Dänemark beliebte Krabbenwettrennen. Die Krabben sind prinzipiell essbar, es lohnt sich aber nicht, weil sie so klein sind. Es macht aber Spaß zuzuschauen, wie Möwen geschickt die Krabben fangen und knacken.

Asiatische Strandkrabbe (Hemigrapsus sanguineus): Diese kleine Art ist vor 25 Jahren als blinder Passagier mit Schiffen aus dem NW-Pazifik an die französische Atlantikküste eingereist. Seither verbreitet sie sich ungebremst. Die Krebsart ein aggressiver Allesfresser und muss kaum Konkurrenz fürchten. Wie sich das auf das Okö-System auswirkt, wird man sehen.

In Deutschland trifft man sie jetzt auf Norderney, Borkum. Auch an der Ostsee und an der nordamerikanischen Atlantikküste wurde sie bereits gesichtet. Nicht essbar.

Alles Krebstiere in Dänemark

Krebstiere in Dänemark

Taschenkrebse (Cancridae) auch Felsenkrabben oder Knieper

All diese Krebse sind essbar. Auf Helgoland werden sie Knieper (Kneifer) genannt. Mit ihren großen Scheren können die Krebse selbst Muscheln knacken. Gegessen wird das Muskelfleisch, das in den Scheren sitzt. Der Körper der Knieper ist nahezu fleischlos und dient auf Helgoland auch als Hummerköder.

Ganz ähnlich sind Stone Crabs (Steinkrabben) die hauptsächlich in den Gewässern um die Bahamas und den Florida Keys leben. Stone Crab Restaurants haben in den USA eine große Tradition. Joe’s Stone Crab Restaurant in Miami ist so eine sündteure Institution. Hier kann man sich an Krabben satt und arm essen. Stone Crab Scheren gibt es auch online, sie sind ebenfalls sündhaft teuer.

Schneekrabbe, auch Eismeerkrabbe oder Seespinne, Meerspinne. Ist eine echte Delikatesse. In den sauberen Gewässern der Arktis hat diese Art viel Zeit ihr Aroma zu entwickeln. Sie lebt in Grönland, Neufundland, Sibirien, Alaska, Japan oder Korea. Die Bestände werden nachhaltig von lokalen Fischern mit Korbreusen befischt, was fast keinen Beifang bedeutet.

Blue Crab- Blaue Schwimmkrabbe (Callinectes sapidus). Der wissenschaftliche Name setzt sich aus dem griechischen kallos für „schön“, nektes für „Schwimmer“ und dem lateinischen sapidus für „schmackhaft“ zusammen. Damit ist schon fast alles gesagt. Die Krabbe wird als Delikatesse geschätzt, und sie gehört nicht zu den bedrohten Tierarten. Die Blaukrabbe stammt ursprünglich von der amerikanischen Atlantikküste und lebt dort von Nova Scotia in Kanada bis Uruguay.
Die Blaukrabbe kann bis zu 800 Gramm schwer werden. Heute findet man sie im Mittel- und Schwarzen Meer, an Nord- und Ostsee und vor Japan.

Dungeness Crab, sie hat einen braunroten Panzer und kräftige Beine und Scheren. Sie kommt nur im Nordostpazifik zwischen Kalifornien und Alaska vor. Dort ist sie von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Der Name stammt von dem gleichnamigen Fischerort im Staat Washington. Aus der Krabbe werden Crabmeat-Konserven hergestellt.

Chinesische Wollhandkrabbe. Die Wollhandkrabbe wurde aus China eingeschleppt. Seitdem breitet sie sich in Europa und sogar in deutschen Gewässern aus. Erwachsene Tiere leben im Süßwasser größerer Flussläufe, zur Paarungszeit wandert sie Richtung Meer. Im Brackwasser vieler Mündungsbereiche entwickeln sich die Larven. Zwischenzeitlich galt sie in Europa als Plage, Wasserverschmutzung dezimierte den Bestand. Jetzt erholt dieser sich wieder, allerdings nicht ohne Folgen.

Natürliche Feinde hat sie nicht. Mit ihren scharfen Scheren jagt sie Fische und zerschneidet sie die sogar Fischernetze und frißt anderen Fang aus den Reusen. Und kein Scherz: Die Chinesische Wollhandkrabbe wurde sogar in die „Liste der unerwünschten Spezies“ in der EU aufgenommen. Die Wollhandkrabbe gilt in China als Delikatesse. Auch in Europa versuchen Gastronomen sie zu vermarkten. Was aufgrund ihrer haarigen „Wollhandscheren“ eher gewöhnungsbedürftig zu bleiben scheint.

Königskrabbe, die königliche Krabbe gilt als Delikatesse und wird kommerziell gefischt oder teilweise sogar in Gefangenschaft gemästet. Sie gelten als nicht gefährdet, sondern eher als Gefährder, weil sie kaum natürliche Feinde haben und sich rasant ausbreiten.

Königskrabben gab es früher nur im nördlichen Pazifik (vor Japan und Alaska). Während der Stalin Ära wurde sie in der Barentssee bei Murmansk angesiedelt, um die damalige Versorgungslage der Bevölkerung zu verbessern. Leider breitete sich die bioinvasive Art von dort unkontrolliert aus.
Die Norweger nennen sie wegen ihrer Zerstörungskraft auch Stalin-Krabbe. Umweltschützer forderten von der norwegischen Regierung sogar zeitweise die Ausrottung der Königskrabbe.

Bei uns findet ihr sie selten im Handel und sie ist sündhaft teuer. Die stachelige Krabbe ist ein Exot unter den Meeresfrüchten. Die Spannweite Ihrer Beine kann bis zu 1,80 m betragen. In den langen Beinen steckt zartes, intensiv schmeckendes Fleisch. Viele finden, die Krabbenbeine schmecken sogar besser als  Hummerfleisch. Manchmal wird der „Mittelkrebs“ auch als Kamtschatkakrabbe, King Crab oder Monsterkrabbe gehandelt.

Pfeilschwanzkrebse (eng. Horseshoe Crab) sind die einzigen Krebse, die eine Ausnahme von den vorher Genannten bilden. Sie sehen ein wenig aus wie Darth Vader mit langem Stachelschwanz.
Die Krebse gehören der Klasse der „Merostomata“ an. Sie sind biologisch gesehen eher mit Spinnen oder Skorpionen verwandt. Diese 445 Millionen Jahre alten Urzeitkrebse bezeichnet man zu Recht als lebendes Fossil. Auf Fischmärkten habe ich sie bisher nur in Thailand entdeckt. Da sie kaum Fleisch enthalten, wird in erster Linie der Rogen in einem scharfen Thai-Yam-Salat gegessen. „Yam khai maeng da thale“. Aber Waarschau. Die Eier können das Nervengift „Tetrodotoxin“ enthalten, was in der Vergangenheit zu schweren Vergiftungen geführt hat.

Weitere bizarre Krabben sind: Die riesige Japanische Krabbe mit einer Beinspannweite von bis zu vier Metern. Der an Land lebende „Palmendieb“ – diese Krabbe kann sogar Kokosnüsse knacken. Oder die australische Weihnachtsinsel-Krabbe, die nur an einem einzigen Tag im Jahr zur Eierablage an den Strand kommt.

Ihr seht es gibt jede Menge Krebstiere und Alternativen zu Hummer und Garnelen. Solange ihr die Umwelt achtet und respektiert ist noch nicht alles verloren. Segeln ist zum Glück ein sehr nachhaltiger und umweltschonender Sport bzw. Lifestyle.

Krabbenwettlaufbahn in Dänemark

„Krabben Wettlaufbahn“- alle Kinder lieben Krabben

7 Kommentare

  1. Hallo Cornelia, ein sehr interessanter und informativer Beitrag! Ich kann mir bestimmt nicht alles merken, aber nun weiß ich ja, wo ich alles nachlesen kann. Für Jomfruhummer könnte ich sterben, wir haben schon richtige Schlemmer-Orgien mit Læsø-Jomfruhummer gefeiert. Köstlich! Das Rezept mit der Estragon-Butter werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren.

    Ahoi und ein schönes Wochenende, Martina

    Gefällt 1 Person

    1. Wie schön, wart ihr auf Læsø? Da würde ich gerne mal hin, aber das ist bestimmt zu weit für uns. Jomfruhummer habe ich nur mal in Juelsminde in der Fiskebutik gekauft. Ich finde die so lecker. Aber vor Ort oder auf Anholt muss es noch viel besser schmecken.
      Estragon und Butter ist super. Ist ja schon fast eine Bearnaise. Liebe Grüße, hoffentlich seid ihr auch in einen schönen Hafen gesegelt. Cornelia

      Gefällt 1 Person

    1. Danke dir, ich hab gerade was über Softshell Crabs gelesen. Da müsste ich wohl noch nachbessern. Allerdings hat der Beitrag auch sehr viel Zeit gekostet. Je weiter ich in die Materie eintauche, desto mehr entdecke ich. Lg Cornelia

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