Kochen an Bord. Ein Hoch auf den dänischen Traumsommer 2018

Ohne jeden Zweifel: Es war ein traumhafter Segel-Sommer. Das festsitzende Skandinavienhoch sorgte wochenlang für makellos blauen Himmel. Kochen an Bord bedeutete Kochen im Freien. Am Steg, am Strand, Grillplatz oder im Cockpit. Häufig blieb die Küche ganz kalt.

Abendsonne in Daenemark

Der beste Sommer aller Zeiten: 2018 in Dänemark

Schon im Mai brachte das Skandinavien-Hoch bis zu 15 Stunden Sonne am Tag. Ab Ende Juni bis in den August kletterte das Thermometer auf über 30 Grad. Und das in Dänemark! Mal wehte der Wind, mal nicht. Das Ölzeug wurde gut verstaut und durch T-Shirts, Shorts und Badehosen ersetzt. Die Regenplane diente als Sonnensegel.

Herrlich war es. Doch der Sommer gibt nicht auf. Selbst jetzt im Oktober steigen die Temperaturen noch auf 22 Grad. Die meisten Schiffe stehen schon in der Halle, unseres leider auch. Mit dem heutigen Beitrag möchte ich dem Sommer gedenken.

Segelschiff im Hafen allein

Wie eine Fata Morgana: der Traumsommer 2018

Out of Africa in Denmark

Serengeti darf nicht sterben: Dürre in Dänemark

Saison 2018 Grillverbot Dänemark

Im Juli wurde es amtlich: Grillen verboten!

Über 50 Tage ohne Regen: Dänemark 2018

Eine extreme Dürre war die Folge des festsitzenden Hochs über Skandinavien. Die Wiesen ähnelten bereits Ende Juni der afrikanischen Savanne. Durch die extreme Trockenheit war offenes Feuer und Grillen sogar behördlich verboten. Das hatte Auswirkungen auf die Bordküche.

Die hohen Temperaturen waren eine kulinarische Herausforderung. Schafft die Kühlbox es, Fisch und Fleisch angemessen zu kühlen und frisch zu halten? Habe ich bei 30 Grad überhaupt Lust, unter Deck was zu kochen? Was zubereiten, wenn die Grills nicht mehr glühen dürfen?

Chillen an Deck Sommer 2018

Kein Stress: Heute gibt es Dinner Cancelling 

Leuchtturm Sunset Aaroe

Oder ein Strandspaziergang. Zum Beispiel auf Årø

Welchen Proviant bei Hitze sicher lagern?

Zum Glück sank mit den steigenden Temperaturen auch der Appetit. Salate ersetzten die Hauptmahlzeit. Dazu gab es Räucherfisch, Fischkonserven, Hülsenfrüchte und Gemüse. Gewürzt wurde mit Zitrone, Chili und Kräutern. Auf Grillsaucen haben wir fast ganz verzichtet.

Tomatensalat mit Pecorino

Tomaten & Pecorino vertragen Wärme gut

Räucherfisch mit Tabasco

Räucherfisch von den Inseln: Makrele, Lachs und Co

Größte Herausforderung des Sommers: Wie kühle ich den Weißwein richtig herunter? Wie gelingt es, Eiswürfel bis zum nächsten Tag aufzubewahren? Tipp: In Thermoskannen gefüllt, klappt es für mindestens 36 Stunden.

Durch das Grillverbot wurde unsere Küche leichter, mediterraner und abwechslungsreicher. Weil Fleisch zu schnell verdirbt, haben wir es fast vollständig weggelassen. Diese Bord-Rezepte haben uns die Hitze bestens überstehen lassen.

Unsere absoluten Lieblings Sommer-Rezepte, hier geht es weiter:

Die Nummer 1: Tomatensalat. Meist pur und mit Zwiebeln. Manchmal zusätzlich mit Manchego, Pecorino oder Ziegenfrischkäse. Oder raffinierter mit haltbarem Dosenfisch, zum Beispiel als Ölsardinen-Tatar mit Kapern und Oliven. Hier geht es zum Rezept. Fischkonserven kann ich nie genug gebunkert haben.

Da das Gemüse in der Proviantkiste schneller welk wurde, gab es ein schnelles Ratatouille aus Auberginen, Paprika, Zucchini und anderen Gemüsen. Das fleischlose Ratatouille hat sogar den Captain begeistert, er hat es spontan und vollkommen freiwillig improvisiert. Hier geht es zum Grundrezept.

Ratatouille in der Kombüse

Wenn das Gemüse welk wird: Ratatouille Improvisation

Eine schnelle Vorspeise ist spanischer Pulpo Salat. Diesmal mit gebunkertem Tintenfisch aus der Dose. Fischkonserven müssen nicht gekühlt werden.

Perfekt bei den hohen Temperaturen waren haltbare Hülsenfrüchte. Ein Linsensalat ist schnell zubereitet und variiert. Dieser hier war mit Gurke, frischen dänischen Erbsen und Minze. Linsensalat-Rezepte und alles über Linsen findet ihr hier.

Linsen Erbsen Gurken Salat mit Minze

Haltbare Linsen Improvisation: Mit Erbsen, Gurke, Minze

Sehr erfrischend waren knackige Bohnensalate aus eingelegten Bohnen. Diese Salate lassen sich gut improvisieren. Bohnen-Salate schmecken auch am nächsten Tag, weil sie nicht zusammenfallen.

Wenn uns der Sinn nach Fisch stand, haben wir Fischfrikadellen gebraten. Entweder habe ich sie Hause vorgebraten, eingefroren und in die Kühlbox gepackt oder sie im Dänischen Supermarkt gekauft. Die kleinen Fischbällchen sind eine wunderbare Tapa. Im Gegensatz zu frischem Fisch habe ich bei Fischfrikadellen keine Bauchschmerzen. Sie halten deutlich länger als frischer Fisch. Hier geht es zum Rezept.

BBQ mit Gemüse Tischgrill

Der Brandschutz steht: Fisch-Frikadellen, Tomaten, Gemüse und Rosé mit Eiswürfeln!

Manchmal haben wir Salatherzen oder Spitzkohl gebraten oder gegrillt und mit „Gomasio“ Sesamsalz gewürzt. Gerade der geröstete Spitzkohl schmeckt herrlich nussig.

Gegrillter Spitzkohl Bordküche

Gegrillter Spitzkohl mit Gomasio Sesamsalz

*** Tiefkühl Produkte für die Kühlbox: Zusätzlicher Kühleffekt

Praktisch bei kurzen Wochenend-Törns: TK-Garnelen langsam in der Kühlbox auftauen lassen. Statt gegrillt, gab es sie in der Pfanne gebraten und sparsam mit Estragon und Butter gewürzt. TK-Shrimps bleiben in der Kühlbox mindestens 24 Stunden frisch. Noch besser sind natürlich frisch gekaufte Krustentiere wie der Jomfruhummer. Den Kaisergranat gibt es weiter im Norden, auf Anholt oder Læsø. Dorthin haben wir es leider nicht geschafft.

TK-Garnelen in Butter gebraten und mit Estragon

Nebeneffekt des heißen Wetters: Minus drei Kilo! Worauf ich sehr stolz bin.

Ein Hoch auf den Sommer 2018

Jetzt Oktober kommt mir der Sommer vor wie eine Fata Morgana. Die Messlatte liegt hoch. Hoffentlich müssen wir nicht wieder 15 Jahre auf so einen „Jahrhundertsommer“ warten. Sieben bis acht Monate werden es auf jeden Fall.

Segeln 2018 Morgen Kaffee

Keine Wolke in Sicht: Von 06.00 Uhr in der früh…

Ankerlieger Ostsee Flaute 2018

…bis nach Sonnenuntergang um 22.00 Uhr

Aber es gab auch Flops. Zum Beispiel den Surströmming Hering aus Schweden. Diese bizarre Fischkonserve werde ich nie wieder probieren. Ganz sicher. 😉

Vergoren und verwest. Surströmming „Kotzfisch“ ist eine Mutprobe

Die See kocht Segler im Cockpit

Nie mehr Surströmming. Isch schwör!

Die viele Sonne war nicht nur anstrengend für die Haut. Holz und Lack des Schiffs wurden arg in Mitleidenschaft genommen. Bei einem der seltenen Gewitterschauer regnete es durch ungeahnte Stellen hinein. So stark hat die Sonne das Holz ausgetrocknet.

Die hohen Wassertemperaturen von 22 Grad machten der Ostsee schwer zu schaffen. Der Sauerstoff wurde knapp, es gab viele Algen und je nach Windrichtung viele Feuerquallen. Besonders fies: Sie verlieren ihre Tentakel. Die Quallen sind dann nicht mehr sichtbar, pieksen können sie trotzdem, wie ich auf Årø leider erleben durfte.

Feuerquallenplage Ostsee

Extrem viele Feuerquallen dieses Jahr, je nach Windrichtung

Auch Murphys Law „If anything can go wrong, it will“ schlug wieder zu. Unser einziger Segeltörn des Sommers, durch die dänische Südsee, fiel in die eine Woche mit wechselhaftem und sehr kühlem Wetter. Auf Ærø liess sich das noch gut verschmerzen, aber Murphy kann schon ein A**** sein.

Aeroskoebing Strandhaeuser

Auch auf Ærø war es schön: Schön kalt

Segeln im Alsfjord

2018 leider nur Kurztörns für uns, die waren aber entspannt

Was bleibt, ist die Erinnerung an viele Traumtage auf den kleinen Inseln, in hyggeligen Häfen und in einsamen Badebuchten. Und ein guter Vorsatz ist schon gefasst. Nächstes Jahr muss es wieder ein langer Törn zu neuen Zielen werden. Das muss einfach drin sein. Hoffentlich jagt dann nicht wieder ein Tiefdruckgebiet das Nächste. 15 Grad und Dauerregen, was war das nochmal?

Chili con Carne mit Kichererbsen

So langsam wird es Herbst. Deftiges Chili mit Kichererbsen und Rotwein 😉

Tisch gedeckt am Strand

Auf die Saison 2019! Hauptsache am oder auf dem Wasser. Ahoi!

6 Kommentare

    1. Ja liebe Barbara, so war es. Ich frage mich bei dem Wetter, ob es eine gute Idee war, das Schiff so früh aus dem Wasser zu heben. Aber da steckt man ja nie drin. Im Oktober kann es ja schon sehr eklig sein. ;-(

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  1. Liebe Cornelia, das war wirklich der Sommer unseres Lebens! ☀️ Wie schön wäre es gewesen, wenn wir auf Langfahrt hätten gehen können, aber es hat nicht sollen sein. Murphys Law, so wie bei Euch. Trotzdem: das Wetter war unschlagbar – auch für Hafencamping bestens geeignet – Deine Rezepte sind klasse (einige habe ich sogar ausprobiert!) und die Fotos dazu wunderbar farbenfroh. 🤗

    Liebe Grüße, Martina (jetzt Landratte, so wie Du) 😉

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    1. Liebe Martina,
      ich habe das gelesen, dass ihr auch nicht so weit gekommen seid. Während alle auf Anholt, Läsoe, in Schweden oder Norwegen waren, haben wir gerade mal Aerö und Aarö und Marstal geschafft. Das war unser weitestes Ziel. Am Ende hatten wir knapp unter 500 SM im Logbuch für die Saison. Das ist nicht wenig, aber auch nicht toll. Nächstes Jahr will ich unbedingt weiter in den Norden und mindestens für zwei Wochen. Die Südsee hab ich jetzt so ziemlich durch. Ich finde es ab Middelfart richtig schön. Liebe Grüße und jetzt muss ich an den Elbstrand meinen Elbsegler abholen. Der ist wieder auf der Elbe.
      Cornelia

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  2. Hallo Cornelia
    wunderschöne Bilder aus dem Supersommer, der war hier auch bei uns. Als Gartenbesitzer, gab es auch ein Trockenheitsproblem! Das gibt eine fette Wasserrechnung! Jetzt reichts aber mit der Wärme, ich bin eher der Wintertyp. Das Rezept mit den Öhrchennudeln finde ich sehr lecker.
    Ich hoffe euch Beiden geht es gut!? Euch noch ein schönes Wochenende
    Eure Hanni

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    1. Liebe Hanni, ja das Trockenheitsproblem war und ist schon enorm. So wie die Wiesen in Dänemark sehen und sahen auch alle Wiesen in Hessen aus. In Dänemark ist zum Glück wieder alles grün. Da hat es ganz schön geregnet. LG Cornelia

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